Wie ein Modern-Value-ETF US-Klumpenrisiken senkt

Wie ein Modern-Value-ETF US-Klumpenrisiken senkt

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Wie ein Modern-Value-ETF US-Klumpenrisiken senkt
13:12

 

Ein weltweiter Aktienindex kann stärker von den USA und wenigen sehr großen Unternehmen abhängen, als der Name „weltweit“ vermuten lässt. Ein Modern-Value-ETF kann dieses Klumpenrisiko durch Auswahl und Gleichgewichtung deutlich reduzieren. Er beseitigt Risiken jedoch nicht, sondern ersetzt die breite Marktkapitalisierungsgewichtung durch ein konzentrierteres, regelgebundenes Qualitätsportfolio.

 

Warum entsteht im MSCI World ein US-Klumpenrisiko?

Der MSCI World umfasst große und mittelgroße Unternehmen aus entwickelten Märkten und deckt laut MSCI rund 85 Prozent der frei handelbaren Marktkapitalisierung jedes Landes ab. Gewichtet wird nach der Marktkapitalisierung im Streubesitz. Steigen die Börsenwerte großer US-Unternehmen stark, wächst automatisch ihr Anteil am Index – ohne dass ein Anleger diese Entscheidung aktiv trifft.

Zum 31. August 2026 bestand der Index aus 1.280 Unternehmen. Die zehn größten Positionen waren ausschließlich US-Unternehmen und machten zusammen rund 26,6 Prozent aus; allein Nvidia, Apple und Microsoft kamen auf rund 14,5 Prozent. Der US-Länderanteil wird auf der aktuellen MSCI-Seite als dominante Position ausgewiesen; im Factsheet vom 31. März 2026 lag er bei 71,27 Prozent. Die Werte verändern sich laufend, doch der Mechanismus bleibt: Marktkapitalisierung bündelt Gewicht dort, wo die größten Börsenwerte liegen.

Klumpenrisiko bedeutet nicht automatisch schlechte Unternehmen

Viele hoch gewichtete US-Konzerne sind profitabel, innovativ und global tätig. Das Risiko entsteht nicht aus ihrer Nationalität allein, sondern aus der Abhängigkeit von ähnlichen Bewertungs-, Zins-, Währungs- und Technologiefaktoren. Wenn wenige Titel einen großen Teil des Index bewegen, kann eine Korrektur dieser Gruppe die Gesamtanlage stärker treffen. Umgekehrt kann eine geringere US-Gewichtung in Phasen einer US-Rallye zu deutlicher Unterperformance führen.

 

Wie senkt Gleichgewichtung die Konzentration?

Der Frankfurter Modern Value Index enthält 25 Aktien, die beim quartalsweisen Rebalancing auf jeweils 4 Prozent Ausgangsgewicht gesetzt werden. Dadurch kann kein einzelner Titel allein wegen seiner Marktkapitalisierung auf ein zweistelliges Gewicht anwachsen. Der Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value bildet diesen Index physisch nach und ist grundsätzlich vollständig in Aktien investiert.

 

Merkmal Marktkapitalisierter Weltindex Modern-Value-Index
Auswahl Große und mittlere Unternehmen entwickelter Märkte 25 Titel aus fundamental analysierter Watchlist
Gewichtung Nach frei handelbarer Marktkapitalisierung Zu jedem Rebalancing 4 Prozent je Titel
Anpassung Durch Kurse, Kapitalmaßnahmen und Indexregeln Quartalsweise Auswahl und Rücksetzung
Konzentration Hohe Gewichte großer US-Konzerne möglich Einzeltitelgewicht am Rebalancing-Termin begrenzt
Zentrale Grenze Abhängigkeit von Marktführern Nur 25 Titel und Modell-/Auswahlrisiko

 

Nach der von Solactive veröffentlichten Zusammensetzung zum 15. Juni 2026 enthielt der Index unter anderem Adobe, Alphabet, Microsoft und Zoetis aus den USA sowie Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Spanien und weiteren entwickelten Märkten. Da alle 25 Titel zum Rebalancing gleich gewichtet werden, bestimmt ein einzelner US-Megacap nicht automatisch das Portfolio. Die tatsächlichen Ländergewichte zwischen den Stichtagen schwanken mit den Kursen und der jeweils gültigen Zusammensetzung. 

 

Welche Rolle spielt die Modern-Value-Auswahl?

Gleichgewichtung allein erklärt den Ansatz nicht. Ausgangspunkt ist eine Watchlist von Unternehmen, die nach Angaben von Shareholder Value Management fundamental und qualitativ analysiert werden. Im Fokus stehen unter anderem wirtschaftliche Wettbewerbsvorteile, langfristig tragfähige Geschäftsmodelle, Kapitalrenditen, moderate Verschuldung und eine eigentümerorientierte Führung. Für das Indexranking wird der erwartete Total Shareholder Return der kommenden fünf Jahre herangezogen.

Qualität und Bewertung gehören zusammen

Ein starkes Unternehmen ist nicht automatisch eine gute Aktie zu jedem Preis. Deshalb verbindet der Ansatz qualitative Merkmale mit Renditeerwartungen und Bewertung. Die 25 Titel mit den höchsten erwarteten Werten aus der Watchlist gelangen in den Index. Prognosen können sich als falsch erweisen, und ein Modell kann gemeinsame blinde Flecken haben. Das Rebalancing schafft Disziplin, garantiert aber weder Kapitalerhalt noch Überrendite.

Ein ETF, aber kein marktbreiter Ersatz

Mit 25 Aktien ist das Portfolio fokussierter als ein MSCI World mit mehr als tausend Titeln. Weniger US-Konzentration bedeutet daher nicht automatisch mehr Gesamtdiversifikation. Branchen, Bewertungsstile oder gemeinsame Qualitätsmerkmale können neue Klumpen bilden. Auch die vollständige Aktienquote und fehlende Absicherung können zu hohen Schwankungen führen. Anleger sollten den ETF deshalb als eigenständige Strategie beurteilen, nicht als identischen Ersatz für einen globalen Marktindex.

 

Welche Chancen bietet die geringere US-Abhängigkeit?

Eine breitere Verteilung über verschiedene Unternehmensgrößen und europäische Märkte kann die Abhängigkeit von US-Megacaps und dem US-Dollar verringern. Gleichgewichtung sorgt zudem dafür, dass kleinere Portfoliounternehmen einen ähnlich großen Beitrag leisten können wie sehr große Konzerne. Wenn bislang weniger beachtete Qualitätsunternehmen aufholen, kann ein solcher Ansatz profitieren.

Die Kehrseite ist ebenso wichtig: Bleiben die größten US-Technologiewerte die stärksten Renditetreiber, kann der Modern-Value-ETF zurückbleiben. Gleichgewichtung führt außerdem zu regelmäßigen Umschichtungen. Diese können Handelskosten verursachen und Gewinner reduzieren, während schwächere Titel aufgestockt werden. Der Ansatz setzt darauf, dass Auswahl und Bewertung diese Nachteile langfristig kompensieren; sicher ist das nicht.

Wie prüfen Sie einen Modern-Value-ETF für Ihr Depot?

Prüfen Sie zuerst die aktuelle Indexzusammensetzung und nicht nur die Marketingbeschreibung. Vergleichen Sie Länder-, Branchen- und Einzeltitelgewichte mit Ihrem vorhandenen Depot. Lesen Sie dann Indexmethodik, Basisinformationsblatt, Factsheet und Jahresbericht. Achten Sie auf laufende Kosten, Geld-Brief-Spanne, Fondsvolumen, Rebalancing-Termine und Abweichungen zwischen Index und Fonds.

Bewerten Sie anschließend, welche Funktion die Strategie erfüllen soll: Ergänzung eines marktbreiten ETF, gezielte Qualitätskomponente oder eigenständiger Aktienbaustein. Ein geringerer US-Anteil kann eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn das Gesamtdepot bereits stark von US-Megacaps abhängt. Er sollte aber nicht isoliert betrachtet werden; entscheidend sind alle Anlagen zusammen, einschließlich indirekter Überschneidungen.

Ländergewicht ist nicht gleich Umsatzabhängigkeit

Der Sitz eines Unternehmens und seine wirtschaftliche Abhängigkeit sind zwei verschiedene Dinge. Ein europäischer Konzern kann einen großen Teil seiner Umsätze in den USA erzielen, während ein US-Unternehmen weltweit diversifiziert sein kann. Ländergewichte im Factsheet sind daher nur die erste Ebene der Analyse. Wer US-Risiken gezielt reduzieren möchte, sollte zusätzlich Umsatzregionen, Währungen, Lieferketten und regulatorische Abhängigkeiten betrachten. Vollständig lässt sich eine globale Volkswirtschaft nicht entlang von Börsenplätzen trennen.

Wie sich Gleichgewichtung zwischen Rebalancings verändert

Die 4-Prozent-Gewichte gelten als Ausgangspunkt am Rebalancing-Termin. Danach steigen Gewinner über und fallen Verlierer unter dieses Niveau. Vor dem nächsten Termin kann deshalb erneut eine Konzentration entstehen, wenn einzelne Titel stark auseinanderlaufen. Das quartalsweise Zurücksetzen begrenzt diese Entwicklung regelmäßig, erzeugt aber auch Transaktionen. Anleger sollten deshalb Stichtagsangaben nicht als dauerhaft feste Gewichte missverstehen und immer die aktuelle Portfolioliste prüfen.

Ergänzung statt Entweder-oder

Eine mögliche Anwendung ist die Kombination verschiedener Gewichtungslogiken. Ein marktbreiter ETF bildet die jeweils größten Unternehmen ab; eine gleichgewichtete Qualitätsstrategie setzt bewusst einen anderen Schwerpunkt. In Kombination können sich Überschneidungen und Konzentrationen verringern, müssen es aber nicht. Entscheidend ist die tatsächliche Gesamtgewichtung nach dem Zusammenführen aller Positionen. Eine solche Aufteilung ist keine allgemeine Empfehlung, sondern ein Analyseansatz, den Anleger an Ziel, Risikobudget und Anlagehorizont anpassen sollten.

Für die laufende Kontrolle genügt ein regelmäßiger, nicht täglicher Depotcheck. Notieren Sie zu jedem Rebalancing die größten Positionen, Länder- und Branchenanteile sowie Änderungen der Methodik. Vergleichen Sie anschließend, ob die gewünschte geringere US-Abhängigkeit im Gesamtdepot noch besteht. Kursbewegungen, Sparraten und andere Fonds können die ursprüngliche Aufteilung verschieben. Rebalancing auf Depotebene kann die Zielstruktur wiederherstellen, verursacht jedoch möglicherweise Steuern und Transaktionskosten, die in die Entscheidung gehören.

 

Fazit: Konzentration wird verlagert, nicht abgeschafft

Ein Modern-Value-ETF senkt US-Klumpenrisiken vor allem durch zwei Mechanismen: eine fundamental vorbereitete Auswahl aus mehreren entwickelten Märkten und die Gleichgewichtung von 25 Titeln beim quartalsweisen Rebalancing. Dadurch verlieren Börsenwert und Größe einzelner US-Konzerne ihren automatischen Einfluss. Dafür entstehen andere Risiken – insbesondere die Konzentration auf 25 Aktien, Modellannahmen und mögliche Abweichungen vom breiten Markt. Der Ansatz ist daher eine bewusste Alternative, keine risikofreie Verbesserung.

 

Häufige Fragen zu Wie ein Modern-Value-ETF US-Klumpenrisiken senkt

Wie hoch ist der US-Anteil im MSCI World?

Der Anteil verändert sich mit den Börsenwerten. Im MSCI-Factsheet vom 31. März 2026 lag die USA-Gewichtung bei 71,27 Prozent; aktuelle Monatsdaten sollten vor einer Entscheidung erneut geprüft werden.

Wie begrenzt der Modern-Value-ETF einzelne Positionen?

Der zugrunde liegende Index setzt seine 25 Titel beim quartalsweisen Rebalancing auf jeweils 4 Prozent Ausgangsgewicht. Zwischen den Terminen können die Gewichte durch Kursbewegungen abweichen.

Ist ein Portfolio mit 25 Aktien breit diversifiziert?

Es ist über mehrere Unternehmen und Länder verteilt, bleibt aber deutlich konzentrierter als ein marktbreiter Weltindex. Branchen-, Stil- und Auswahlrisiken können trotz Gleichgewichtung bestehen.

Ist der Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value ein aktiver ETF?

Der ETF bildet den Frankfurter Modern Value Index physisch nach. Die aktive Komponente liegt in der fundamental vorbereiteten, quartalsweise aktualisierten Indexauswahl; der Fonds selbst folgt dem Index.

Kann eine geringere US-Gewichtung die Rendite senken?

Ja. Wenn US-Megacaps den Weltmarkt anführen, kann ein geringer gewichtetes Portfolio zurückbleiben. Eine geringere Konzentration verändert Chancen und Risiken, garantiert aber keine bessere Rendite.

 

Der Text wurde ganz oder teilweise mit Unterstützung einer KI erstellt. 

Dies ist eine Marketing-Anzeige. Bitte lesen Sie den Prospekt des OGAW und das KIID, bevor Sie eine endgültige Anlageentscheidung treffen. Die Shareholder Value Management AG ist im Rahmen der Anlageberatung gem. § 2 Abs. 2 Nr. 4 WpIG ausschließlich auf Rechnung und unter der Haftung der NFS Netfonds Financial Service GmbH, Heidenkampsweg 73, 20097 Hamburg tätig. Die NFS ist ein Wertpapierinstitut gem. § 2 Abs. 1 WpIG und verfügt über die erforderlichen Erlaubnisse der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Bei den dargestellten Szenarien handelt es sich um eine Schätzung der zukünftigen Wertentwicklung, die auf Erkenntnissen aus der Vergangenheit über die Wertentwicklung dieser Anlage und/oder den aktuellen Marktbedingungen beruht und kein exakter Indikator sind. Die Wertentwicklung der Produkte, hängt unter anderem davon ab, wie sich der Markt zukünftig entwickelt und der Haltedauer des Investments.
 

 

Heiko Böhmer

Heiko Böhmer

Heiko Böhmer ist ein deutscher Finanzexperte, der seit 2020 als Kapitalmarktstratege bei der Shareholder Value Management AG tätig ist und für seine Expertise an den Finanzmärkten bekannt ist. Er ist zudem Finanz-Blogger, hat den YouTube-Kanal „Du kannst Börse“ mit aufgebaut und schreibt eine wöchentliche Kolumne für OnVista. Böhmer hat eine Leidenschaft für Investment-Wissen und ist oft als Speaker und Dozent auf Finanzveranstaltungen anzutreffen.