Gewinnrezession 2023?

Gewinnrezession 2023? Defensive ist Trumpf – aber nur vorerst!

Ein neues Jahr beginnt stets mit guten Wünschen, viel Hoffnung und noch mehr Optimismus. Bis der Optimismus aber wieder an die Börse zurückkehrt, könnte noch etwas dauern.

 

 

Gewinnrezession voraus

 

Die alten Probleme sind uns erst einmal erhalten geblieben. Eine hohe Inflation, weiter steigende Zinsen, der Krieg in der Ukraine, Energiekosten, die einem die Tränen in die Augen jagen. Dazu neue Gefahrenherde wie der aufflammende Konflikt zwischen dem Kosovo und Serbien und die Spannungen zwischen den USA und China. Vom Taiwan-Problem ganz zu schweigen. Und dann die aufkommende Rezession.

Wir gehen davon aus, dass die Gewinnrevisionen, die uns jetzt erwarten, noch nicht genügend an eine Rezession angepasst sind. In Anbetracht der Marktschwäche im vergangenen Jahr könnte man jetzt natürlich sagen, dass jetzt ein günstiger Zeitpunkt für einen Einstieg in Aktien sei. Doch aus unserer Sicht ist dieser Punkt noch nicht gekommen. Wir sind sogar der Meinung, dass es an den Börsen noch eine Weile bergab gehen wird, denn die Wirtschaft hat ihren Tiefpunkt noch nicht erreicht. Wir gehen daher eher vorsichtig ins neue Jahr und haben einen Teil unseres Aktien-Exposures abgesichert. Das gilt mit Ausnahme des Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value, der immer voll investiert ist, für alle Fonds unserer „Frankfurter-Familie“, wie etwa dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen oder dem Frankfurter Stiftungsfonds.

 

Nach der Rezession sollten sich die Kurse schnell erholen

 

Aber das wird nicht ewig dauern. Denn wie die Vergangenheit gezeigt hat, haben sich die Kapitalmärkte vor einer Rezession – wie aktuell - schon länger in einem Abwärtstrend befunden, um dann in der Regel direkt nach dem Ende der Rezession wieder zuzulegen. Und darauf müssen wir warten. Erst wenn die Rezession tatsächlich gekommen ist, die Gewinne einbrechen und der Bär sich auf dem Parkett breit gemacht hat, könnte mit Blick auf das zweite Halbjahr das antizyklische Signal zum Einstieg kommen. Denn wenn ein Ende der Zinserhöhungen und eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Aktivität erkennbar wird, sollten sich wieder interessante Anlagemöglichkeiten bieten. Denn sollte es im Laufe des kommenden Jahres zu einem deutlichen Inflationsrückgang kommen, dürften wir wohl im zweiten Quartal ein Zinsplateau bekommen. Wir gehen davon aus, dass wir nach einem holprigen Start ins Jahr schon im zweiten Quartal möglicherweise eine Rallye bekommen. Aber insgesamt wird 2023 wohl kein „Vollgas-Jahr“, in dem man immer voll investiert sein muss. Aber, bei aller Vorsicht: Die meisten Marktteilnehmer haben für dieses Jahr immer nur das Negative im Blick. Doch wie es sich immer wieder zeigt: Wir sollten uns auch auf positive Überraschungen freuen – welche das sein werden, lässt sich im Moment leider noch nicht sagen.

 

Big-Techs werden sich behaupten

 

Doch welche Aktien werden im kommenden Jahr gut performen? Manche werden sich wundern, dass sich mit Alphabet (Blogbeitrag: Alphabet: Viel mehr als nur die Google-Suche), Microsoft (Blogbeitrag: Microsoft: Mehr als Windows und Office) und Amazon (Blogbeitrag: AWS: Der versteckte Gewinntreiber bei Amazon) drei Tech-Dickschiffe in den Top-Ten des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen befinden. Denn die hatten sich im vergangenen Jahr unterdurchschnittlich entwickelt. Wir wissen jedoch, dass die Geschäftsmodelle dieser Konzerne nach wie vor intakt sind und dass sie weiterhin Wettbewerbsvorteile aufweisen. Und genau das ist es, was wir mögen: Unternehmen mit einem wirtschaftlichen Burggraben, der sie vor Wettbewerbern schützt. Und noch eines sollte man nicht vergessen: Unternehmen wie Microsoft oder Alphabet schwimmen in Geld. Sie haben sehr tiefe Taschen, wenn es darum geht, Unternehmen, die in der Krise in Not geraten, zu übernehmen und damit ihre Marktposition weiter zu stärken.

Und in diesem Übernahmespiel können wohl auch die deutschen Unternehmen mitspielen. Nach einer Erhebung der Anwaltskanzlei Freshfields haben die deutschen Konzerne derzeit sage und schreibe 765 Milliarden Euro auf der hohen Kante. Klar, einerseits um durch die Krise zu kommen, aber auch um geschwächte Wettbewerber zu übernehmen.

 

Aussichten für 2023 trotz Rezession gar nicht so schlecht

 

Unterm Strich sehen die Aussichten für dieses Jahr also gar nicht so schlecht aus. Es ist nur etwas Geduld gefragt. Denn Risiken und Unsicherheiten gab es schon immer an den Aktienmärkten und die wird es auch immer geben. Das liegt in der Natur der Sache. Das schließt aber nicht aus, dass 2023 ein gutes neues Jahr für Anleger wird.

 

Frank Fischer

Frank Fischer

Frank Fischer, Jahrgang 1964, ist Vorstandvorsitzender (CEO) der Shareholder Value Management AG und übt dort die Funktion des Chief Investment Officers (CIO) aus. Außerdem ist Frank Fischer Vorstandsmitglied der Shareholder Value Beteiligungen AG. Bis Ende 2005 war Frank Fischer als Geschäftsführer von Standard & Poor´s Fund Services (vormals Micropal GmbH) zuständig für Investmentfonds-Informationen und -Ratings.