AUS GRAHAM VALUE WIRD MODERN VALUE

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FAKTEN-CHECK: Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen

 

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”Der Fonds für alle, die langfristig und werteorientiert Vermögen aufbauen und erhalten möchten.“ - CEO & CIO der Shareholder Value Management AG | FRANK FISCHER im Interview

Frank Fischer verantwortet als Fondsberater seit 2008 den Frankfurter Aktienfonds für  Stiftungen sowie weitere Mandate der Shareholder Value Management AG. Zuvor war er Unternehmer und verkaufte sein selbst gegründetes Software- und  Datenbank-unternehmen an Standard & Poor’s. Fischer studierte Betriebswirtschaft in Frankfurt und engagierte sich früh in Aktienclubs und Investmentvereinen. Er gilt als erfahrener Value-Investor, der den klassischen Ansatz weiterentwickelt und heute auf  Qualitätsunternehmen mit nachhaltigem Wachstum setzt.

 

Volker Schilling: Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von FUNDamental, dem Magazin, das sich mit Fonds und vor allem deren Machern beschäftigt. Heute begrüße ich Frank Fischer von Shareholder  Value zum zweiten Mal in unserem Format. Wir kennen uns lange und duzen uns daher. Frank, der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen ist im Januar volljährig geworden. Vor 18 Jahren, als du diesen Fonds 2008 aufgelegt hast – was war deine Motivation?

Frank Fischer: Zunächst habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich bin seit über vier Jahrzehnten im Aktienbereich unterwegs, früher in Aktienclubs. Dort habe ich den Gründer unserer Firma, Günther Weispfenning, kennengelernt. Er führte den Club „R 3000“, was bedeutete, das Risiko einzugehen, 3.000 DM zu verlieren. Tatsächlich wurde das Geld nicht verloren, sondern über Jahrzehnte aus 3.000 DM eine Million gemacht – hauptsächlich mit Nebenwerten im deutschsprachigen Raum. Ich selbst habe parallel zum Studium eine Firma als Dienstleister für Banken gehabt, woraus eine Agentur namens Micropal erwuchs, die später von Standard & Poor’s gekauft wurde. Als Europachef hatte ich dort in sieben Jahren acht Chefs aus New York, was nicht mein Geschmack war. Günther schlug vor, dass ich mich um seine Firma kümmere, die damals eine Art Family Office mit einer börsennotierten Beteiligungs-AG und einer Stiftung war. Wir überlegten uns: Wo es eine Stiftung gibt, gibt es vielleicht noch mehr, die langfristig und nachhaltig investieren müssen. 2008 machten wir das Konzept als Publikumsfonds zugänglich.

Volker Schilling: Ist dein Fonds ein reiner Aktienfonds? Nutzt du weitere Instrumente?

Frank Fischer: Wir sind ein Aktienhaus, daher steht der Begriff im Namen. Aber wir verfolgen einen defensiven Ansatz und halten immer Cash – aktuell über 20 %, was uns einen Puffer für Nachkäufe gibt. Wir nutzen Sentiment- und technische Indikatoren sowie Volumenindikatoren, um Kapitulationssignale am Markt für die Bodenbildung zu identifizieren. Für die Kasse nutzen wir kurzlaufende Staatsanleihen. Da wir nach ESG-Kriterien investieren, kaufen wir keine US-Dollar-Anleihen, da es in den USA die Todesstrafe gibt. Wir halten uns seit 2014 konsequent an diese Regeln.

Volker Schilling: Setzt du auch Derivate ein?

Frank Fischer: Seltener als früher. Wir haben viel in ein Risikosystem investiert, aber festgestellt, dass Signale bei Höchstständen weniger zuverlässig sind als in Ausverkaufsphasen. Wir steuern heute lieber über die Kasse. Eine Aktienquote von etwa 80 % halten wir für angemessen, um langfristig eine Performance von 7 bis 8 % zu sichern. Regional fokussieren wir uns auf entwickelte Märkte wie Nordamerika und Europa.

Volker Schilling: Was macht dein heutiges Ich deutlich anders als am Anfang?

Frank Fischer: Günther hat mir die Bilanz- und Cashflow-Analyse sehr hemdsärmelig beigebracht. Das war klassisches Value Investing nach Benjamin Graham. Während meiner Diplomarbeit lernte ich dann bei Frank Lingohr auch quantitative Ansätze kennen. Wir starteten mit eher niedrigen Bewertungen wie KGVs, KBVs und hohen Dividenden. Man streute breit und kaufte Firmen, die so günstig waren, dass eine Erholung zur Performance reichte. Aber man macht Fehler und verkauft gute Aktien oft zu früh. Ein Beispiel war die Schweizer Firma Tecan. Wir kauften sie günstig ein, sie versiebenfachte sich und wir verkauften, weil sie teuer aussah. Danach verfünfundzwanzigfachte sie sich noch einmal. Wir hatten einen 150-facher im Portfolio und haben ihn nicht ausgehalten. Das lehrte uns, nach strukturellen Wettbewerbsvorteilen – dem wirtschaftlichen „Burggraben“ – zu suchen. 

Volker Schilling: Du hast den Begriff „Modern Value“ geprägt. War der Druck einer zeitweise mageren Performance der Grund für diesen Umbau?

Frank Fischer: Das kam aus uns selbst, auch wenn die „Teenie-Zeit“ des Fonds natürlich „Pickel“ in Form von schwierigen Phasen hatte. Klassisches Value Investing funktioniert nicht immer. Unser Risikomanager warnte vor Klumpenrisiken. Wunderbare Firmen mit Kapitalrenditen über 20 % sind viel attraktiver als klassische Value-Aktien, die kaum ihre Kapitalkosten verdienen.

Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen im Überblick

Volker Schilling: Aber diese Unternehmen gibt es doch nie wirklich günstig?

Frank Fischer: Selten. Aktuell sehen wir das bei Chemiefirmen, die auf 20- oder sogar 40-Jahres-Tiefs notieren, weil niemand mehr an eine normale Situation glaubt. Normalerweise sind diese Firmen aber fair bewertet, und man muss sie „ins Geld wachsen lassen“. Diese Qualität führt dazu, dass sie in Krisen autark bleiben und sich schneller erholen. Charlie Munger sagte zu Warren Buffett: Vergiss alles über Value Investing, bis auf die Sicherheitsmarge. Ein fairer Preis für eine wunderbare Firma reicht uns heute.

Volker Schilling: Wie hat sich das Portfolio verändert?

Frank Fischer: Wir haben die Small und Micro Caps reduziert. Der Kern besteht nun aus liquiden Positionen, während wir nur noch etwa 20 % für illiquidere Titel vorhalten. 80 % der Aktienquote fließen in „Compounder“ oder Zinseszinsmaschinen. Wir suchen nach Firmen, die Cashflows zu hohen Zinsfüßen reinvestieren können, wie ASML mit einer Kapitalrendite von 120 %. Ein wichtiger Teil sind „Serienakquisiteure“ wie L'Oréal, die innovative Produkte zukaufen und skalieren. In Schweden ist diese Kultur sehr ausgeprägt.

Volker Schilling: Was unterscheidet diese Serienakquisiteure von Firmen die durch Übernahmen Geld verbrennen?

Frank Fischer: Die Kultur ist entscheidend. Wir vermeiden „Empire Building“ wie Daimler-Chrysler oder Bayer-Monsanto. Wir wollen kleine Akquisitionen, die weit unter der eigenen Bewertung der Firma gekauft werden – zum Beispiel für das 5- bis 7-fache EBIT, während die Mutter mit dem 20-fachen bewertet wird. Wir setzen auf Dezentralität; die übernommenen Firmen behalten ihre Kultur und Verantwortung. Fielmann zum Beispiel nutzt seine Kostenführerschaft und expandiert nun systematisch in die USA. 

Volker Schilling: Müssten dir Dividenden und Aktienrückkäufe nicht eigentlich missfallen, da dieses Geld nicht für das Compounding reinvestiert wird?

Frank Fischer: Die beste Firma reinvestiert alles selbst. Aber es gibt Branchen wie Versicherungen, die so konsolidiert sind, dass sie kaum noch Übernahmen finden. Dort sind Rückkäufe bei günstigen Bewertungen wertschaffend. Versicherungen wie die Münchener Rück sind Stabilitätsanker, die zudem massiv von KI profitieren können, indem sie Prozesse verschlanken und Risiken besser managen. 

Volker Schilling: Wenn man auf die 18 Jahre schaut, liegt die Durchschnittsrendite knapp unter 7 %. Was ist dein Idealszenario für die nächsten 10 Jahre?

Frank Fischer: Ich wünsche mir langfristige Investoren, die die Risiken einer unternehmerischen Beteiligung verstehen. Wir sind heute durch die höhere Qualität der Firmen viel besser aufgestellt. Ich möchte wieder  Richtung 8 % pro Jahr kommen. Unsere Firma ist heute technologisch weit vorne; wir nutzen KI wie Claude massiv. Mein 35-jähriger Kollege hat seine Masterarbeit über KI bei uns geschrieben. Ich habe Spaß daran, mich mit einem jungen Team weiterzuentwickeln.

Volker Schilling: Die Schnellrunde zum Abschluss:


  • Welche Investmentregel würdest du komplett streichen?
    Ich würde Graham streichen, bis auf die Sicherheitsmarge.


  • Die unbeliebteste Aktie in deinem Portfolio?
    Azelis, der Chemiedistributor, den ich sehr schätze, aber den keiner mehr mag.

  • Was wärst du ohne Fondsmanagement geworden?
    Wahrscheinlich wäre ich noch bei S&P tätig. 

  • Ein versäumtes Hobby?
    Die Fotografie. Ich nehme mir leider nicht die Zeit für eine Spiegelreflexkamera. 

  • Lieblingsspeise?
    Wenn ich mich festlegen müsste: Italienische Küche. 

  • Was machst du, um den Kopf frei zu bekommen?
    Skifahren in den Bergen oder Yoga, um den Fokus zu behalten.

 

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Volker Schilling: Vielen Dank für die Einblicke in den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und das moderne Value Investing.

Frank Fischer: Vielen Dank.


FONDSANALYSE: Hintergrund

FRANKFURTER AKTIENFONDS FÜR STIFTUNGEN – Ein Klassiker im Wandel

 

Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen zählt seit Jahren zu den bekanntesten Fonds der Shareholder Value Management AG. Seit seiner Auflage 2008 hat der Fonds verschiedene Marktphasen durchlaufen und sich dabei kontinuierlich weiterentwickelt. Trotz struktureller Veränderungen bleibt der Fokus klar: langfristiger Kapitalerhalt durch Investitionen in qualitativ hochwertige Unternehmen.

 

DIE HISTORIE: Ursprung im Stiftungsgedanken

 

Die Wurzeln des Fonds liegen im Stiftungsgedanken. Ziel war es ursprünglich, Stiftungen eine aktienbasierte Lösung zur Sicherung ihres Vermögens zu bieten – besonders relevant in Zeiten niedriger Zinsen. Daraus entstand ein Produkt, das heute weit über diesen ursprünglichen Zweck hinaus eingesetzt wird. Die Investmentphilosophie des Hauses basiert seit jeher auf einem klaren Value-Ansatz.

 

DAS MANAGEMENT: Erfahrung und Kontinuität

 

Verantwortlich für den Fonds ist seit Beginn Frank Fischer, einer der profiliertesten Value-Investoren Deutschlands. Unterstützt wird er inzwischen durch ein erweitertes Team, darunter Co-CIO Jens Große-Allermann und Research-Leiter Sebastian Blaeschke. Die breitere Aufstellung bringt zusätzliche Impulse und verteilt Verantwortung auf mehrere Schultern.

 

 

STRATEGIEWANDEL: Vom Small Cap zum flexiblen Mischfonds

 

Ursprünglich als Small-Cap-Fonds mit DACH-Fokus gestartet, hat sich die Strategie deutlich gewandelt. Heute handelt es sich um einen global ausgerichteten, flexiblen Mischfonds mit mindestens 51 % Aktienquote. Regional ist das Portfolio breiter aufgestellt, mit Schwerpunkten in Europa und Nordamerika. Auch die Marktkapitalisierung ist diversifiziert – Mid- und Large-Caps dominieren inzwischen klar.

 

INVESTMENTPHILOSOPHIE: Modern Value im Fokus

 

Der klassische Value-Ansatz wurde über die Jahre weiterentwickelt. Statt ausschließlich auf günstige Bewertungen zu achten, kombiniert das Management heute Value mit Qualitäts- und Wachstumsaspekten. Im Zentrum stehen Unternehmen mit stabilen Cashflows  und nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen („Burggraben“). Ziel ist es, langfristig solide Renditen bei geringeren Schwankungen zu erzielen.

 

UNTERNEHMENSAUSWAHL: Qualität als Schlüssel

 

Investiert wird in rund 40 bis 50 sorgfältig ausgewählte Titel. Neben finanziellen  Kennzahlen spielen qualitative Faktoren eine entscheidende Rolle: starke Unternehmenskultur, verlässliches Management, stabile Geschäftsmodelle und strukturelles Wachstum. Bevorzugt werden häufig eigentümergeführte Unternehmen mit klarer langfristiger Ausrichtung.

 

NACHHALTIGKEIT: Verankerter Bestandteil

 

Seit 2014 berücksichtigt der Fonds nachhaltige Kriterien und ist als Artikel-8-Fonds klassifiziert. Ein klar definierter ESG-Filter schließt kontroverse Geschäftsbereiche aus. Zusätzlich erfüllt der Fonds die Anforderungen des FNG-Siegels, was die konsequente Integration nachhaltiger Aspekte unterstreicht.

 

INVESTMENTPROZESS: Diszipliniert und flexibel

 

Die Titelauswahl erfolgt fundamental und benchmarkunabhängig mittels Bottom-up-Ansatz. Ergänzt wird dies durch aktives Risikomanagement über die Steuerung der Aktienquote. Positionen werden schrittweise aufgebaut und bei veränderten Rahmenbedingungen angepasst. Verkäufe erfolgen konsequent, sobald Bewertungsziele erreicht oder Qualitätskriterien nicht mehr erfüllt sind.

 

Wertentwicklung FAFS - Fundamental

 

MARKTUMFELD: Stärken und Schwächen des Ansatzes

 

Der Fonds spielt seine Stärken insbesondere in volatilen oder schwachen Marktphasen aus. Durch defensive Positionierung und Absicherungsinstrumente können Verluste häufig begrenzt werden. In stark steigenden Märkten – vor allem bei technologiegetriebenen Rallys – bleibt er hingegen oft hinter dem Gesamtmarkt zurück. 

 

CHANCEN UND RISIKEN: Selektiver AusblickKey Facts und Stammdaten zum FAFS - Fundamental

 

Chancen ergeben sich vor allem dann, wenn Bewertungen wieder stärker in den Fokus rücken und sich Marktbewegungen verbreitern. Die aktuelle Ausrichtung mit Schwerpunkt Europa könnte sich als Vorteil erweisen. Risiken bestehen insbesondere bei anhaltender Dominanz großer US-Technologiewerte sowie durch geopolitische Unsicherheiten und konjunkturelle Schwächen.

 

PORTFOLIO UND PERFORMANCE: Solide
Entwicklung

 

Das Portfolio ist aktuell zu rund 80 % in Aktien investiert, mit Schwerpunkten in Finanz-, Technologie- und Gesundheitswerten. Die langfristige Entwicklung ist solide, bei moderater Volatilität. Besonders hervorzuheben ist die vergleichsweise stabile Wertentwicklung in schwierigeren Marktphasen.

 

Fazit: Bewährter Ansatz mit Weiterentwicklung

Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen bleibt ein defensiv ausgerichteter Mischfonds mit klarem Qualitätsfokus. Die Weiterentwicklung hin zum Modern-Value-Ansatz erscheint sinnvoll und zukunftsgerichtet. Auch wenn der Fonds in bestimmten Marktphasen hinterherhinkt, überzeugt er durch Stabilität und einen disziplinierten Investmentansatz – insbesondere für langfristig orientierte Anleger.

 

 

Impressum Greiff

 

Frank Fischer

Frank Fischer

Frank Fischer, Jahrgang 1964, ist Vorstandvorsitzender (CEO) der Shareholder Value Management AG und übt dort die Funktion des Chief Investment Officers (CIO) aus. Bis Ende Februar 2025 war Herr Fischer auch Vorstandsmitglied der Shareholder Value Beteiligungen AG. Bis Ende 2005 war Frank Fischer als Geschäftsführer von Standard & Poor´s Fund Services (vormals Micropal GmbH) zuständig für Investmentfonds-Informationen und -Ratings.