Geopolitik, Iran-Krieg und der teuerste Reflex aller Anleger: Market Timing

Geopolitik, Iran-Krieg und der teuerste Reflex aller Anleger: Market Timing

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Geopolitik, Iran-Krieg und der teuerste Reflex aller Anleger Market Timing
6:41

 

Im März 2026 ist etwas Bemerkenswertes passiert. Nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs sind die Zuflüsse in europäische ETFs regelrecht eingebrochen. Gerade einmal 9,4 Milliarden Euro flossen in entsprechende Produkte – der niedrigste Wert seit April 2024. Zum Vergleich: In den beiden Vormonaten lagen die durchschnittlichen Zuflüsse noch bei rund 46 Milliarden Euro pro Monat. Innerhalb kürzester Zeit brach damit die Nachfrage um fast 80 Prozent ein. Das zeigt einmal mehr, wie stark geopolitische Ereignisse die Stimmung der Anleger beeinflussen können.

Sobald Unsicherheit aufkommt, wird Kapital zurückgehalten. Liquidität erscheint plötzlich attraktiver als Investitionen. Geldmarktfonds gewinnen Zulauf, während Aktieninvestments vertagt werden. Gleichzeitig verlieren selbst Anleihen-ETFs und Edelmetallprodukte an Dynamik, während nur wenige Bereiche wie Rohstoff-Investments oder Garantieprodukte von der gestiegenen Unsicherheit profitieren.

 

Inhaltsverzeichnis

1. Wer die besten Tage verpasst, sackt langfristig mit der Rendite ab

2. Chancen vs. Risiken: KI ist beides

3. Aktiv investieren heißt dauerhaft investiert bleiben 

 

Diese Reaktion ist menschlich nachvollziehbar. Niemand investiert gerne in ein Umfeld, das von Schlagzeilen über Krieg, Ölpreisexplosionen und geopolitischen Spannungen geprägt wird. Genau hier liegt jedoch eine der größten Fallen für Anleger. Denn die Börse belohnt langfristig selten diejenigen, die versuchen, den perfekten Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu erwischen. Viel häufiger bestraft sie genau dieses Verhalten.

 

Wer die besten Tage verpasst, sackt langfristig mit der Rendite ab

 

Besonders eindrucksvoll zeigen das zahlreiche Studien zum sogenannten Market Timing. Beim DAX hätte ein Anleger zwischen 1988 und 2018 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 10,4 Prozent erzielt, wenn er durchgehend investiert geblieben wäre. Wer in diesem Zeitraum lediglich die zehn besten Handelstage verpasst hätte, wäre nur noch auf 7,2 Prozent pro Jahr gekommen.

Ähnlich sieht das Bild beim MSCI World aus. Während ein dauerhaft investierter Anleger auf sieben Prozent Rendite pro Jahr kam, reduzierte sich dieser Wert auf lediglich 4,3 Prozent, wenn die zehn besten Börsentage fehlten. Beim S&P 500 zeigt sich das gleiche Muster. Zwischen 2005 und 2024 erzielte ein vollständig investierter Anleger in US-Dollar gerechnet eine Rendite von 10,4 Prozent pro Jahr. Wer die zwölf besten Handelstage verpasste, kam nur noch auf 6,1 Prozent.

Diese Zahlen verdeutlichen etwas sehr Wichtiges: Ein erheblicher Teil der langfristigen Rendite entsteht an wenigen Handelstagen. Das Problem dabei ist, dass diese Tage fast nie in ruhigen Marktphasen stattfinden. Im Gegenteil. Die stärksten Kursanstiege erfolgen häufig direkt nach heftigen Kursverlusten, inmitten von Krisen, Rezessionen oder geopolitischen Schocks. Genau dann, wenn viele Anleger bereits verkauft haben oder noch auf bessere Einstiegsgelegenheiten warten. Wer in solchen Phasen an der Seitenlinie steht, verpasst nicht nur die Erholung, sondern oft auch einen großen Teil seiner zukünftigen Rendite.

Natürlich bedeutet das nicht, dass die Risiken im aktuellen Umfeld ignoriert werden sollten. Die geopolitischen Spannungen bleiben hoch, die Entwicklung im Nahen Osten ist schwer kalkulierbar und auch die wirtschaftlichen Auswirkungen steigender Energiepreise sind keineswegs zu unterschätzen. Gleichzeitig stellt sich weiterhin die Frage, welche Unternehmen tatsächlich von den enormen Investitionen in künstliche Intelligenz profitieren werden und bei welchen Geschäftsmodellen die Erwartungen mittlerweile zu hoch geworden sind. Hinzu kommen Inflationsrisiken, mögliche Handelskonflikte und die Diskussion über eine stärkere wirtschaftliche Abschottung vieler Regionen.

 


Podcast: Frankfurter Aktientalk

 


 

Chancen vs. Risiken: KI ist beides 

 

Doch auf der anderen Seite gibt es ebenso zahlreiche Chancen. Künstliche Intelligenz wird die Produktivität vieler Unternehmen nachhaltig erhöhen. Niedrigere Zinsen könnten die Bewertungen zahlreicher Qualitätsunternehmen unterstützen. Fortschritte bei möglichen Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine würden insbesondere Europa wirtschaftlich Rückenwind verleihen. Und eine schwächere US-Währung verbessert gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit vieler europäischer Exporteure. Chancen und Risiken stehen sich damit wie so oft gegenüber. Der Unterschied ist lediglich, dass Risiken in den Schlagzeilen meist deutlich sichtbarer sind als Chancen.

 

Aktiv investieren heißt dauerhaft investiert bleiben

 

Genau deshalb halten wir wenig davon, unsere Strategie an kurzfristigen Nachrichten auszurichten. Investiert zu bleiben klingt zunächst langweilig. Tatsächlich ist es aber eine der erfolgreichsten Strategien überhaupt. Aktiv zu investieren, bedeutet für uns nicht, ständig die Marktrichtung vorherzusagen. Aktiv bedeutet, gezielt Unternehmen auszuwählen, die auch in schwierigen Zeiten stabile Geschäftsmodelle, starke Wettbewerbsvorteile und eine attraktive Bewertung aufweisen.

Im Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value finden sich aktuell 25 Unternehmen, die genau diesen Kriterien entsprechen. Zu den größten Positionen zählen derzeit Diploma PLC, IMCD, Computacenter, Amazon und Ionos. Im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen stehen Storebrand, SCOR und Allianz an der Spitze. Gerade Versicherungsunternehmen zeigen aktuell, warum stabile Geschäftsmodelle so wertvoll sind. Sie verfügen über belastbare Cashflows, profitieren von höheren Zinsen und sind gleichzeitig nur begrenzt von den aktuellen KI-Diskussionen betroffen.

Dass diese Unternehmen heute einen hohen Stellenwert in unseren Portfolios haben, ist kein Zufall. Es ist vielmehr die direkte Konsequenz unserer Investmentphilosophie. Qualität schlägt Aktionismus. Langfristiges Denken schlägt kurzfristige Marktmeinungen. Und genau deshalb bleiben wir auch in geopolitisch schwierigen Zeiten unserem Ansatz treu.

Die ETF-Zahlen aus dem März zeigen sehr deutlich, dass viele Anleger derzeit zögern. Sie warten auf mehr Klarheit. Sie hoffen auf den perfekten Einstiegszeitpunkt. Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte zeigt allerdings, dass dieser Moment meist erst im Rückspiegel erkennbar wird. Wer auf ihn wartet, zahlt häufig einen hohen Preis.

Unsere Empfehlung bleibt deshalb unverändert: Geduld, Konsequenz und der Fokus auf qualitativ hochwertige Unternehmen. Und manchmal gehört dazu auch der Mut, genau dann investiert zu bleiben, wenn die Unsicherheit besonders groß erscheint. Warren Buffett hat es einmal treffend formuliert: „Be fearful when others are greedy and greedy when others are fearful.“ Selten hat dieser Satz besser zur aktuellen Situation gepasst als heute.

 


 

 

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Dies ist eine Marketing-Anzeige. Bitte lesen Sie den Prospekt des OGAW und das KIID, bevor Sie eine endgültige Anlageentscheidung treffen. Die Shareholder Value Management AG ist im Rahmen der Anlageberatung gem. § 2 Abs. 2 Nr. 4 WpIG des Fonds ausschließlich auf Rechnung und unter der Haftung der NFS Netfonds Financial Service GmbH, Heidenkampsweg 73, 20097 Hamburg tätig. Die NFS ist ein Wertpapierinstitut gem. § 2 Abs. 1 WpIG und verfügt über die erforderlichen Erlaubnisse der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). 
Bei den dargestellten Szenarien handelt es sich um eine Schätzung der zukünftigen Wertentwicklung, die auf Erkenntnissen aus der Vergangenheit über die Wertentwicklung dieser Anlage und/oder den aktuellen Marktbedingungen beruht und kein exakter Indikator ist. Wie viel Sie tatsächlich erhalten, hängt davon ab, wie sich der Markt entwickelt und wie lange Sie die Anlage/das Produkt halten. 

 

Heiko Böhmer

Heiko Böhmer

Heiko Böhmer ist ein deutscher Finanzexperte, der seit 2020 als Kapitalmarktstratege bei der Shareholder Value Management AG tätig ist und für seine Expertise an den Finanzmärkten bekannt ist. Er ist zudem Finanz-Blogger, hat den YouTube-Kanal „Du kannst Börse“ mit aufgebaut und schreibt eine wöchentliche Kolumne für OnVista. Böhmer hat eine Leidenschaft für Investment-Wissen und ist oft als Speaker und Dozent auf Finanzveranstaltungen anzutreffen.