Tech is back Frank Fischer Kolumne

Tech-Aktien: Totgesagte leben länger!

Vor rund einem Jahr hätte kaum ein Anleger mehr einen Blumentopf auf die großen Technologiewerte gewettet. Doch nun sind sie zurück. Und das mit Macht!

 

 

Starkes Comeback von Microsoft & Co.

 

Im letzten Jahr war noch das große Schwächeln angesagt. Nach Jahren ungebremsten Wachstums und unvorstellbarer Supergewinne brachen die Aktien von ehemaligen Börsenlieblingen wie Amazon, Microsoft, Meta, Alphabet, Nvidia und Tesla dramatisch ein. Meta war innerhalb weniger Monate zwei Drittel weniger wert. Bei Tesla sah es nicht besser aus. Und die anderen Big-Techs mussten ebenfalls reichlich Federn lassen. 

Und heute? Seit Jahresbeginn schossen die Notierungen der großen Technologiekonzerne in die Höhe. Rund 70 Prozent waren es bei Tesla, beim Halbleiterherstellen Nvidia in der Spitze rund 45 Prozent. Und unser Portfoliowert Meta, der sowohl im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen als auch in unserem Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value prominent vertreten ist, legte über 30 Prozent zu. Bei den meisten anderen waren es immerhin satte zweistellige Zuwachsraten. Die Gründe sind vielfältig: Die Big Techs verfügen über hohe Cash-Bestände und erwirtschaften immer noch Milliardengewinne - und das Quartal für Quartal. Wie die jüngsten Quartalszahlen gezeigt haben wurden zwar keine neuen Rekordmarken erreicht, aber der Cash-Flow ist immer noch enorm.

 

Die Börse hat den wirtschaftlichen Burggraben vergessen

 

Wenn Firmen mit tiefen wirtschaftlichen Burggräben so stark an den Börsen abgestraft werden, reiben wir uns als Modern Value-Investoren die Hände. Bleiben wir beim Beispiel Microsoft (Blogbeitrag: Microsoft: Mehr als Windows und Office). Die Office-Pakete spielen weiterhin Milliarden Dollar jeden Monat ein. Der niedrige Preis des Abos in Kombination mit den immensen Wechselkosten, die beim Verlassen von Word, Excel & Co. entstünden, machen dieses Geschäfts so unglaublich robust. Eine solche Firma ist nicht mal eben so 25% weniger wert (Am Tiefpunkt), als 6 Monate zuvor.

 

Microsoft Office Paket Programme

 

Doch die Angst und kurzfristige Perspektive vieler Marktteilnehmer macht genau das möglich. Massive Abverkäufe aufgrund einzelner Quartalsergebnisse führten zu übertriebenen Kursrückgängen. Da haben wir zugeschlagen und Microsoft zu einer der größten Positionen im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen aufgebaut.

 

Kostendisziplin, Entlassungen und neue Technologien

 

Doch es gibt weitere Gründe für die Wiederentdeckung: eine neue Kostendisziplin und technologischer Fortschritt sorgen wieder für Fantasie. Die Konzerne mussten erkennen, dass auch bei ihnen die Bäume nicht in den Himmel wachsen. In der Vergangenheit hatten sie Mitarbeiter im Minutentakt eingestellt. Jetzt folgt die Konsolidierung. 12.000 Stellen fallen bei Google weg, 10.000 bei Microsoft, 18.000 bei Amazon, 11.000 bei Meta (Blogbeitrag: Facebook: Die globale Werbemaschine) und so weiter und so fort. Beobachter sprechen von über 150.000 Stellen, die bei mehr als 1.000 Tech-Unternehmen wegfallen werden. Bei Zalando sind es mehrere Hundert, um mal ein deutsches Beispiel zu nennen. Die fetten Jahre sind vorbei. Neue Realitäten sind in die Vorstandsetagen eingezogen.

 

ChatGPT ist das Tool der Stunde

 

Das hindert diese aber nicht daran, weiter nach neuen Technologien zu suchen und zu forschen. Bestes Beispiel: ChatGPT! ChatGPT ist das Tool der Stunde. Microsoft investiert Milliarden in den Mutterkonzern OpenAI, um sich die Vorteile und den Zugriff auf dessen Chatbot zu sichern. OpenAI hat mit ChatGPT ein Sprachprogramm vorgestellt, das natürliche Sprache verstehen und auf Kommando komplexe Texte generieren kann. Die Anwendung DALL-E generiert Bilder auf Basis von Texteingaben. Viele Firmenkunden setzten diese Lösungen bereits in ihren Geschäftsprozessen ein. Microsoft CEO Satya Nadella erklärte vor Kurzem erfreut: „Bereits über 200 Kunden von KPMG bis Al Jazeera nutzen es bereits.“ Tendenz: super-schnell weiterwachsend. 

Der Hype um ChatGPT hat schnell die Konkurrenz aufgeschreckt. Mittlerweile stehen dutzende KI-Bots in den Startlöchern, wie etwa Casper Flash, Chatsonic oder neevaAI, um nur einige zu nennen. Das Prominenteste ist aber wohl „Bard“ von Google. Hier stehen sich mit Microsoft und Google (Blogbeitrag: AWS: Der versteckte Gewinntreiber bei Amazon) nun zwei Große gegenüber, die den Wettbewerb um diese potenzielle Ertragsperle weiter anheizen werden.

 

Aktienrückkäufe stabilisieren die Kurse

 

Doch nicht nur der neue Realitätssinn und neue Technologien treiben die Kurse. Auch die Aktienrückkaufprogramme der Unternehmen stützen, bzw. beflügeln die Kurse. Die US-Konzerne im S&P 500 haben von Oktober 2021 bis Ende September 2022 eigene Aktien für 982 Milliarden Dollar zurückgekauft – so viel wie noch nie zuvor. Das zeigen Berechnungen des Bilanzexperten Howard Silverblatt vom Finanzdatenanbieter S&P Dow Jones. Im Jahr zuvor hatte die Summe für solche Rückkäufe noch bei 881 Milliarden Dollar gelegen. Die Unternehmen selbst sind damit die mit Abstand größte Käufergruppe an der Börse. Am meisten Geld für eigene Aktien gab 2022 Apple mit 88 Milliarden Dollar aus. Danach kommt schon unsere Portfoliowerte Alphabet mit 60 und Meta mit 32 Milliarden Dollar, nachdem sie bereits 2021 50 Mrd. zurückkauften. Die folgende Darstellung zeigt, wie viel Geld eine Big-Techs in den letzten zwei Jahren für Aktienrückkäufe ausgegeben haben.

 

Aktienrückkäufe Big Tech

 

Achtung, saisonale Schwächephase voraus

 

Aber Vorsicht! Die gute Entwicklung der Big-Techs wird jetzt nicht unbedingt so weitergehen, denn die saisonale Schwächephase wirft ihre Schatten voraus. Das strategische Grundvertrauen der Anleger sinkt nämlich und ebnet somit den Weg für Gewinnmitnahmen. Anleger sind also gut beraten, aktuell nicht allzu große Risiken einzugehen.

 

Frank Fischer

Frank Fischer

Frank Fischer, Jahrgang 1964, ist Vorstandvorsitzender (CEO) der Shareholder Value Management AG und übt dort die Funktion des Chief Investment Officers (CIO) aus. Außerdem ist Frank Fischer Vorstandsmitglied der Shareholder Value Beteiligungen AG. Bis Ende 2005 war Frank Fischer als Geschäftsführer von Standard & Poor´s Fund Services (vormals Micropal GmbH) zuständig für Investmentfonds-Informationen und -Ratings.