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Wenn wir über die Börse sprechen, schauen wir selten in den Rückspiegel. Der Blick geht nach vorne – und 2026 steht schon jetzt als ein Jahr im Kalender, das uns eine Mischung aus Chancen, Überraschungen und vielleicht dem ein oder anderen Stirnrunzeln bescheren wird. Zeit also für eine nüchterne, aber durchaus entspannte Betrachtung der nächsten zwölf Monate. Oder wie ich gerne sage: Willkommen in der wunderbaren Welt der Aktien.
Inhaltsverzeichnis
2. Möglicher Trend 2026: Flight to Quality
3. Europa Comeback – gute Chance auf Fortsetzung 2026
3. Viele Risiken bleiben auch 2026
3. Ausblick 2026: Der Optimismus bleibt
3. ASML: Ein Burggraben, der eine eigene Postleitzahl verdient hätte
3. Wie setzen wir das um? Ganz einfach: Modern Value als Sicherheitsgurt
2026 wird ein Test. Manche sprechen von einer Zäsur, andere vom „Jahr der Wahrheit“ – und so ganz falsch ist das nicht. Vieles, was sich über Jahre angestaut hat, muss jetzt irgendwie verarbeitet werden: fiskalische Schieflagen, überzogene Bewertungen in Teilen des Tech-Sektors und eine Geldpolitik, die seit 15 Jahren im Ausnahmezustand operiert. Und genau dieses Gemisch sorgt dafür, dass Anleger jetzt sehr genau hinschauen müssen.
KI: Der Elefant im Raum
Beginnen wir mit dem unübersehbaren Elefanten im Raum: Künstliche Intelligenz. 2025 war KI in aller Munde, in allen Portfolios und in ziemlich vielen Präsentationen. Noch nie sind so schnell so viele Milliarden in einen technologischen Trend geflossen.
Die entscheidende Frage für 2026 lautet also: War das schon die Übertreibung – oder geht da noch was? Studien zeigen, dass über 90 % der KI-Investitionen erst einmal keine kurzfristige Produktivitätswunder entfesseln. KI ist also kein Instant-Kaffee, sondern eher ein Slow Cooker: Es duftet schon vielversprechend, aber das fertige Gericht braucht noch Zeit. Und ja – manche Bewertungen sind inzwischen ambitioniert genug, um selbst optimistische Anleger leicht erröten zu lassen.
2026 könnte somit etwas Ernüchterung bei dem Thema Nummer eins an den Börsen bringen. Nicht alle Aktien, die derzeit im KI-Hype etwas an Bodenhaftung verloren haben, werden den Höhenflug fortsetzen. Für so manchen Überflieger könnte es zu einer unsanften Landung kommen – wenn beispielsweise bei den Geschäftszahlen die immens gestiegenen Erwartungen nicht mehr komplett erfüllt werden können. Also hier gilt: Nur wenn die KI-Chancen größer als die KI-Risiken sind oder die Geschäftsmodelle auf absehbare Zeit gar nicht oder nur kaum von KI-Anwendungen negativ betroffen sind, lohnt sich der genaue Blick auf Unternehmen.
Möglicher Trend 2026: Flight to Quality
Falls die Erwartungen nicht erfüllt werden, könnte 2026 ein Jahr werden, in dem Anleger wieder stärker das suchen, was wir „Flight to Quality“ nennen. Also Unternehmen mit soliden Geschäftsmodellen, stabilen Erträgen, echten Burggräben und einem Geschäftsverlauf, der auch ohne jeden Hype funktioniert. Genau das, worauf wir bei Shareholder Value Management seit jeher setzen. Das sind die langweilig-verlässlichen Unternehmen wie Allianz, Microsoft, Münchener Rück – oder auch weniger bekannte Perlen der zweiten Reihe. Kurz: Werte, bei denen das Geschäftsmodell stärker glänzt als jede KI-Pressemitteilung.
Europa Comeback – gute Chance auf Fortsetzung 2026
Ein weiterer Trend, der sich abzeichnet, ist die Rückkehr Europas auf die große Börsenbühne. 2025 haben europäische Aktien überraschend stark performt und zeitweise sogar die USA hinter sich gelassen. Kein Grund für Champagner, aber vielleicht für ein stilles Lächeln.
Europa ist strukturell gefordert – aber es bewegt sich etwas. Und 2026 könnte das Jahr werden, in dem sich die jahrelang aufgebaute Unterbewertung endlich auszahlt. Bewertungen sind niedriger, Cashflows stabil, Geschäftsmodelle planbar: Das ist ein Fundament, auf dem man aufbauen kann. Manchmal fühlt man sich ein bisschen zu früh – aber aus Bewertungssicht fühlen wir uns in Europa derzeit deutlich wohler als beim Blick auf so manche US-Tech-Aktie in Hochstimmung.
Viele Risiken bleiben auch 2026
Natürlich wäre kein Jahresausblick vollständig ohne die Risiken, die uns 2026 begleiten. Besonders spannend – und zugleich unangenehm – ist die Entwicklung in den USA. Die Schuldenquote kratzt an der Marke von 140 % des BIP. Das ist nicht nur wirtschaftspolitisch sportlich, das schränkt auch die Optionen der Regierung stark ein.
Die Lösung scheint bereits skizziert: finanzielle Repression. Ein unschöner Begriff für etwas sehr Einfaches: Sparer sollen über negative Realzinsen schleichend zur Kasse gebeten werden.
Und dann gibt es da noch die Diskussionen rund um den sogenannten „Mar-a-Lago-Accord“, eine Art Blaupause für die Wirtschaftspolitik in einer zweiten Trump-Amtszeit. Konzepte aus seinem Umfeld – etwa von Stephen Miran – enthalten Vorschläge, die internationalen Investoren große Sorgen bereiten:
- extrem langlaufende Treasuries (100-Jahre-Bonds oder quasi ewige Nullkupon-Anleihen),
- Abgaben auf Zinszahlungen für ausländische Anleger,
- Maßnahmen, die die Attraktivität von Dollar-Assets bewusst dämpfen sollen.
Kurz gesagt: Wer US-Staatsanleihen hält, könnte eine Art Sonderbehandlung bekommen – und die dürfte wenig Freude bereiten. Kritiker warnen bereits, dass solche Schritte das Vertrauen in den Dollar und die Safe-Haven-Funktion der Treasuries beschädigen könnten. Und das wäre exakt der Stoff, aus dem globale Marktverwerfungen entstehen.
Zudem wird es spannend bei der US-Notenbank Fed. Nicht wegen der Geldpolitik selbst, sondern wegen ihres neuen Chefs oder ihrer neuen Chefin. Der Wechsel an der Spitze der Federal Reserve könnte sich zu einem politisch aufgeladenen Schauspiel entwickeln – und wir wissen alle, dass Donald Trump nicht dafür bekannt ist, sich im Hintergrund zu halten. Die Frage ist also: Bekommen wir eine unabhängige Fed – oder eine Fed von Trumps Gnaden? Beides hätte enorme Auswirkungen auf Inflation, Zinsen und Märkte.
Hinzu kommen die geopolitischen Dauerbaustellen, die an den Kapitalmärkten inzwischen fast schon ignoriert werden. Der Krieg in der Ukraine ist ungelöst, die Lage im Nahen Osten bleibt instabil, und immer wieder flammt die Sorge um Taiwan auf. Und trotzdem – in den monatlichen Risikoabfragen der großen Fondsmanager rangieren geopolitische Risiken inzwischen hinter der möglichen KI-Blase. Ein gefährlicher blinder Fleck, wenn man mich fragt.
Ausblick 2026: Der Optimismus bleibt
Trotz all dieser Unsicherheiten bleiben wir optimistisch. Warum? Weil die Unternehmen in den USA für 2026 wieder ein deutliches Gewinnwachstum erwarten – rund 14 % im S&P 500. Das ist kein Boom, aber ein solides Fundament. Und gerade in einem Umfeld, in dem die Luft oben dünner wird, lohnt es sich, eine Strategie der ruhigen Hand zu fahren:
Wenn Anleihen politisch unter Druck geraten und Realzinsen strukturell negativ bleiben, dann führt eben kein Weg an einem klassischen Sachwert vorbei: Aktien hervorragender Unternehmen. Und hier orientieren wir uns ganz bewusst an Charlie Munger und Warren Buffett: Modern Value – ein Ansatz, der weniger mit Nostalgie und mehr mit Zukunft zu tun hat.
Unser Fokus liegt auf Firmen mit echtem wirtschaftlichem Burggraben. Unternehmen, die nicht nur heute Wettbewerbsvorteile haben, sondern auch noch in zehn Jahren. 2026 stellt dabei eine neue Frage: Welcher Burggraben hält auch dem Angriff der Künstlichen Intelligenz stand?
Denn nur wer Preissetzungsmacht besitzt und in der digitalen Welt unersetzlich bleibt, kann reale Vermögenswerte schützen.
ASML: Ein Burggraben, der eine eigene Postleitzahl verdient hätte
Ein Beispiel dafür ist ASML. Mit seinem faktischen Monopol auf EUV- und High-NA-Lithografie steht das Unternehmen völlig außerhalb des Wettbewerbsdrucks. Solche Firmen schwanken weniger, wachsen langfristig stabil und entfalten genau jene Zinseszins-Wirkung, die langfristig Vermögen aufbaut. Historisch zeigt sich immer wieder: Qualitätsaktien liefern höhere Renditen bei geringerem Risiko. Ein seltenes Geschenk an Anleger – fast schon so etwas wie der berühmte „Free Lunch“.
Wie setzen wir das um? Ganz einfach: Modern Value als Sicherheitsgurt
Wir investieren dort, wo Qualität günstig ist – und wo die Masse gerade nicht hinschaut.
- Großbritannien ist derzeit eine Quelle unterschätzter Weltmarktführer zu Ausverkaufspreisen.
- Biopharma (CDMOs) und Diagnostikfirmen kehren nach den wilden COVID-Jahren zurück zu stabilen Wachstumsraten von 7–8 %.
Hier finden wir genau die Kombination, die 2026 so wichtig wird: Burggraben + Bewertung + Robustheit.
Oder kurz gesagt: Ein bisschen „Langeweile ins Depot holen“ – und darüber freuen, wie analytisch langweilige Aktien langfristig sehr spannend werden können.
2026 wird kein Selbstläufer. Aber es wird ein Jahr voller Chancen für Anleger, die nicht jedem Trend hinterherrennen, sondern mit klarem Blick und gesundem Menschenverstand investieren. Und hier bei Shareholder Value Management werden wir genau das tun: ruhig bleiben, Risiken einpreisen, Chancen nutzen – und wie immer wachsam bleiben, damit Langeweile auch im kommenden Jahr ein ziemlich guter Renditetreiber wird.
5 Fehler beim ETF-Kauf
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Bei den dargestellten Szenarien handelt es sich um eine Schätzung der zukünftigen Wertentwicklung, die auf Erkenntnissen aus der Vergangenheit über die Wertentwicklung dieser Anlage und/oder den aktuellen Marktbedingungen beruht und kein exakter Indikator ist. Wie viel Sie tatsächlich erhalten, hängt davon ab, wie sich der Markt entwickelt und wie lange Sie die Anlage/das Produkt halten.
