Wachstum und Rendite mit Qualitätsaktien statt wackeliger Hightech-Wetten

Die Stimmung an den Börsen ist im Keller. Kaum steigen die Kurse mal über ein, zwei Tage, schon stürzen sie am nächsten wieder ab. Vor allem Wachstumswerte werden abgestoßen, als hätten alle Papiere, die gestern noch gefragt waren, heute die Krätze. Wachstumswerte erhalten durch steigende Kapitalmarktzinsen sowie schwächelnde Wirtschaftsaussichten weltweit Gegenwind. Dabei fragt man sich: Wenn die Kurse so im Keller sind, sind Growth-Aktien dann nicht langsam ein Schnäppchen?  

Noch nicht. Seit Jahresstart büßte der MSCI ACWI Growth Index zwar rund 30 Prozent ein – 18 Prozent mehr als sein Value-Pendant. Mit der Korrektur sank die Bewertung der Wachstumstitel gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne für die kommenden zwölf Monate von 29 auf 21. Der Bewertungsunterschied zwischen den Growth- und den Value-Werten reduzierte sich dabei von rund 15 auf nun etwa 9 und erreichte damit wieder sein Vor-Pandemie-Niveau. Der langfristige durchschnittliche Bewertungsunterschied von „nur“ 5 deutet aber darauf hin, dass „Growth“ immer noch hoch bewertet ist. Dies könnte für eine weitere Outperformance der Substanzwerte sprechen. Schließlich sind Growth-Titel häufig auf ihre hohen Bewertungen angewiesen, um über die Ausgabe neuer Aktien frisches Kapital zu besorgen. Entsprechend können die rückläufigen Kurse deren Finanzierungsmöglichkeiten erschweren und die Expansion verlangsamen. Das gilt selbstverständlich nicht für Titel wie Amazon, der sich auch im Portfolio unseres Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen befindet, oder Apple, Microsoft & Co. Die schwimmen im Geld. Aber gerade die Small- und Midcaps leiden zum Teil schon sehr.

 

Dividenden, Wachstum und Rendite auf reinvestiertes Kapital

 

Was also tun? Wir setzen bei unserer Modern-Value-Strategie auf Unternehmen, die Mehrwert in Form von Dividenden, Wachstum und Rendite auf reinvestiertes Kapital (ROIIC) schaffen. Diese erweiterte Betrachtungsweise löst sich vom statisch ermittelten Buchwert und ermöglicht im Unterschied zur klassischen Value-Philosophie auch die Investition in Unternehmen mit einer höheren Bewertung, wenn die Kombination aus guten und sehr sicheren Wachstumsperspektiven und hohen erwarteten Kapitalrenditen diese rechtfertigt. Hier zwei Beispiele für die unterschiedliche Herangehensweise.

 

AB InBev – das regionale und globale Powerhaus

 

Da ist zum einen AB InBev. Anheuser-Busch InBev hat eine enorme globale Reichweite und regionale Dichte. Das belgische Unternehmen ist eine der größte Brauereigruppen der Welt. Es hat in der Vergangenheit Marken mit vielversprechenden Wachstumsaussichten gekauft und dann den Vertrieb ausgeweitet, während es rücksichtslos die Kosten in den Unternehmen senkt. Das trägt auch zur vorbildlichen Bewertung der Kapitalallokation des Unternehmens bei. Morningstar schrieb in der jüngsten Analyse zu AB InBev, das Unternehmen habe einen der stärksten Kostenvorteile in der defensiven Konsumbranche und gehöre zu den effizientesten Betreibern. Die Aktie würde derzeit 36 Prozent unter ihrem fairen Wert gehandelt. Diesen sieht Morningstar bei 90 US-Dollar. Dass es etwas dauern kann, bis der Markt die Unterbewertung entdeckt, sind wir als Value-Investoren gewöhnt. Aber die uns wichtige Sicherheitsmarge ist auf jeden Fall gegeben.

 

Familie, Wachstum und eine ruhige Hand

 

Anders sieht das bei secunet Security Networks aus. Hier haben wir ein KGV von rund 49. Aber das Essener Unternehmen, das seinen Kunden Lösungen, Produkte und Dienstleistungen im Bereich der IT-Sicherheit anbietet, ist einer der Platzhirsche in diesem sehr dynamisch wachsenden Sektor. Der Bereich Cyberkriminalität wächst (leider) rasant. Denn im internationalen Vergleich sind die durch Hacker verursachten Kosten bei deutschen Unternehmen und Behörden besonders hoch. Das hat eine Analyse des Spezialversicherers Hiscox ergeben. Der Mittelwert der von Hackern verursachten Schäden lag im vergangenen Jahr hierzulande bei 20.792 Dollar, also umgerechnet rund 18.700 Euro. Damit lagen deutsche Firmen erheblich über dem internationalen Mittelwert von 17.000 Dollar. In keinem anderen untersuchten Land fielen höhere Kosten pro Firma an. Bedauernswert für die betroffenen Unternehmen, aber ein nahezu grenzenlos wachsender Markt für die Essener IT-Sicherheitsexperten, der die hohe Bewertung rechtfertigt. 

Und noch eine Tatsache macht das Unternehmen für uns so interessant. Es wird von einer Familie kontrolliert. 75,1 Prozent der Aktien gehören Giesecke+Devrient, das sich seit langem in Familienbesitz befindet. Als Siegfried Otto am 17. August 1997 starb, erbten seine beiden Töchter Verena von Mitschke-Collande und Claudia Miller das Unternehmen zu gleichen Teilen. Und die agieren mit ruhiger Hand, sind auf der anderen Seite aber auch zielorientiert auf Wachstum und Gewinn fokussiert. Ganz in unserem Sinne.

 

Frank Fischer

Frank Fischer

Frank Fischer, Jahrgang 1964, ist Vorstandvorsitzender (CEO) der Shareholder Value Management AG und übt dort die Funktion des Chief Investment Officers (CIO) aus. Außerdem ist Frank Fischer Vorstandsmitglied der Shareholder Value Beteiligungen AG. Bis Ende 2005 war Frank Fischer als Geschäftsführer von Standard & Poor´s Fund Services (vormals Micropal GmbH) zuständig für Investmentfonds-Informationen und -Ratings.