Frank Fischer über Bärenmärkte

Den Bären geht die Puste so schnell nicht aus

Die Stimmung an den Märkten bleibt bearish. Trotzdem gibt es erste Anzeichen, dass wir hier zumindest eine Bodenbildung sehen.

 

Gelesen von Heiko Böhmer

 

Trotz steigender Kurse: Die Stimmung bleibt angespannt

 

Als die jüngsten Zahlen zum US-amerikanischen Arbeitsmarkt und zur Inflation vorlagen hätte man denken können: Oh je, jetzt rauschen die Notierungen an den Börsen weiter in den Keller. Aber das Gegenteil war der Fall: Die Kurse stiegen. Denn mit den jüngsten Konjunkturindikatoren war klar: Der US-Notenbank bleibt nichts anderes übrig, als die Zinsen weiter anzuheben. Das ist zwar nicht gut für die Märkte, aber immerhin herrscht nun über den weiteren Gang an der Zinsfront Klarheit.

 

Die Profis haben schon wieder kalte Füße bekommen

 

Trotzdem bleibt die Stimmung insgesamt gedrückt. Das zeigt auch der aktuelle Fundmanager Survey der Bank of America. Das Cash-Niveau in den Portfolien institutioneller Anleger befindet sich auf dem höchsten Stand seit April 2001, umgekehrt ist die Liquiditätslage an den Märkten schwach. 72 Prozent der befragten Fondsmanager rechnen mit einer konjunkturellen Abschwächung.  

Das passt auch zu den Ergebnissen der jüngsten Sentix-Sentiment-Umfrage. Hier hat sich das strategische Grundvertrauen, also der Blick auf die Märkte mit Sicht auf die kommenden sechs Monate ebenfalls leicht abgeschwächt. Vor allem die Profis scheinen schon wieder kalte Füße zu bekommen. Aus dieser Stimmung entsteht keine nachhaltige Kaufbereitschaft, sondern nur taktisches „short covering“, also die Eindeckung von Leerverkaufspositionen. Das deutet eher auf eine Bärenmarkt-Rallye hin, als dass es schon nachhaltig nach oben geht. Auf der anderen Seite sind die meisten Anleger noch nicht für steigende Kurse positioniert und laufen Gefahr, den Notierungen hinterherzulaufen, sollte es keinen erneuten Rücksetzer mehr geben. Die Rallye könnte also die Rallye weiter befeuern!

 

3. Quartal: die Unternehmen halten sich besser als erwartet

 

Wir gehen allerdings eher davon aus, dass es noch einmal nach unten geht, auch wenn man sagen muss, dass die bisher vorgelegten Zahlen zum 3. Quartal gar nicht so schlecht waren. So präsentierten die großen US-Banken – mit Ausnahme von Goldman Sachs - durchaus robuste Zahlen für das abgelaufene Quartal. Auch andere Unternehmen, wie unser Portfoliounternehmen Netflix überraschten positiv. Der Streaminganbieter konnte 2,4 Millionen neue Abos vorweisen, erwartet worden war nur eine Million. Das hat den Umsatz von Netflix gegenüber dem Vorjahr um 5,9 Prozent auf rund 7,93 Milliarden US-Dollar nach oben getrieben. Mit der Entwicklung bei den Neukunden scheint Netflix den Trend sinkender Abonnentenzahlen gebrochen zu haben. Nun blicken die Analysten gespannt darauf, wie das geplante Werbe-Abo-Modell (Mehr dazu im Blogbeitrag: Netflix Aktie: Gerade jetzt aussichtsreich) angenommen werden wird.  

Und auch wir gucken in den nächsten Tagen noch genauer auf die Unternehmen, denn dann legen auch andere Werte aus unseren Mandaten wie Alphabet (Blogbeitrag zu: Alphabet: Viel mehr als nur die Google-Suche), Amazon.com (Blogbeitrag zu: AWS: Der versteckte Gewinntreiber bei Amazon), Anheuser-Busch InBev (Blogbeitrag: AB InBev: Dieser globale Bierchampion bietet gute Perspektiven) oder Charter Communications (Blogbeitrag zu: Charter Communications Aktie: Der Daten-Versorger aus den USA) ihre Quartalszahlen vor.

 

Cash-Quote im Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen wurde reduziert

 

Zumindest vorläufig sind wir vorsichtig optimistisch. In den vergangenen Tagen haben wir die Cash-Quote in unserem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen reduziert und die Aktienpositionen bei großen US-Titeln wie etwa Microsoft (Blogbeitrag dazu: Microsoft: Mehr als Windows und Office) erhöht. Aber wie gesagt: Wir sehen die aktuelle Markterholung nur als kurzfristig an. Mittel- bis langfristig sind noch zu viele negative Trends intakt.

 

Frank Fischer

Frank Fischer

Frank Fischer, Jahrgang 1964, ist Vorstandvorsitzender (CEO) der Shareholder Value Management AG und übt dort die Funktion des Chief Investment Officers (CIO) aus. Außerdem ist Frank Fischer Vorstandsmitglied der Shareholder Value Beteiligungen AG. Bis Ende 2005 war Frank Fischer als Geschäftsführer von Standard & Poor´s Fund Services (vormals Micropal GmbH) zuständig für Investmentfonds-Informationen und -Ratings.