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40 Billionen Dollar. Genau diese runde Marke hat der US-Schuldenberg erst kürzlich gerissen — vor einem Jahr lag er noch bei 37 Billionen. Allein die Zinsen darauf kosten 1,1 Billionen Dollar im Jahr — bei einem Durchschnittszins von knapp 3 Prozent, der gerade steigt, nicht fällt. Zum Vergleich: Das US-Verteidigungsbudget bewegt sich in einer ähnlichen Größenordnung. Zinsen so teuer wie die Streitkräfte einer Weltmacht. Hier erleben wir kein Randphänomen. Das ist ganz klar ein historisches Warnsignal.
1. Der Trick, der nicht mehr funktioniert
2. Ferguson's Law — und warum es gerade jetzt zählt
4. Der einzige Disziplinierer, der noch übrig ist
5. Was bedeutet das für Anleger?
Ökonomen der Bank for International Settlements haben dafür einen Namen geprägt: die Schuldenfalle. Zu viel Schuld bremst das Wachstum. Die schwache Wirtschaft zwingt die Politik zu noch mehr Schulden. Das drückt das Wachstum weiter. Ein Kreislauf, aus dem es keinen bequemen Ausweg gibt.
Das war nicht immer so. Früher hat Verschuldung noch etwas gebracht. 1980 erzeugte jeder zusätzliche Dollar Schulden noch 60 Cent an Wirtschaftsleistung. 2019 waren es nur noch 27 Cent. Die Produktivität der Schulden sinkt seit vier Jahrzehnten. Und die USA leihen sich das Geld heute nicht für Brücken, Stromnetze oder Häfen — sondern größtenteils für Sozialleistungen und laufende Ausgaben. Notwendig, das steht außer Frage. Aber ökonomisch produktiv ist etwas anderes. Kommt Ihnen das bekannt vor?
Der Historiker Niall Ferguson hat dafür eine einfache Regel formuliert: Große Weltmächte geraten in Schwierigkeiten, sobald ihr Schuldendienst die Verteidigungsausgaben übersteigt. Genau diese Schwelle haben die USA in diesem Jahrzehnt überschritten. Die Defizite laufen bereits bei über 2 Billionen Dollar jährlich, für 2031 rechnet man mit mehr als 50 Billionen Dollar Gesamtschulden. Die Sozialversicherung wiederum steuert auf eine Kürzung von rund 22 Prozent zu — irgendwann zwischen 2032 und 2033. Ein Wahljahr. Genug Zündstoff für jede politische Debatte.
Und das eigentlich Bemerkenswerte: Es ist egal, wer im Weißen Haus sitzt. Pflichtausgaben wie Rente, Gesundheit und Zinsen fressen die Steuereinnahmen fast vollständig auf, noch bevor der Kongress über irgendetwas anderes überhaupt abstimmt. Der Spielraum für echte politische Entscheidungen — das sogenannte diskretionäre Budget — ist zur Randnotiz geschrumpft.
Man muss nicht auf Prognosen warten, um die Schuldenfalle zu beobachten. Seit dem 1. Juli sind die US-Schulden um 650 Milliarden Dollar gestiegen, in etwas mehr als zwei Monaten. Vor zehn Jahren, im August 2016, lag die Gesamtverschuldung bei rund 19,4 Billionen Dollar — seitdem kamen 20,6 Billionen Dollar hinzu. Mehr als eine Verdopplung in einem einzigen Jahrzehnt.
Und es ist kein Einnahmeproblem: Die Steuereinnahmen sind in dieser Dekade um 65 Prozent gestiegen, auf zuletzt rund 5 Billionen Dollar. Ausgegeben hat die Regierung im selben Jahr aber 7,3 Billionen Dollar. Diese Lücke schließt sich nicht durch mehr Wachstum. Sie schließt sich nur durch mehr Schulden.
Noch vor einem Jahr hatte US-Finanzminister Scott Bessent versprochen, Regierung und Präsident seien „laserfokussiert“ darauf, die Schulden abzubauen. Eingetreten ist das Gegenteil. Jetzt, mit der 40-Billionen-Marke im Rücken, verspricht er erneut denselben Fokus — für die Zukunft. Man muss ihm nicht glauben. Der Anleihemarkt tut es jedenfalls nicht: Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte mit 5,3 Prozent auf ihr höchstes Niveau seit 2007.
Statt mit Sparprogrammen reagierte das Finanzministerium mit einem Kniff: Sie setzt auf Rückkäufe langlaufender Anleihen und finanziert das über kurzfristige Schulden. Klingt gut, aber bei einem Volumen von gerade einmal 2 bis 4 Milliarden Dollar pro Monat, sieht es eher aus wie ein Rundungsfehler am Anleihemarkt, der Billionen umfasst. Der Markt quittierte das mit Misstrauen statt mit Erleichterung: Der Dollar gab nach, Gold legte binnen weniger Tage 6 Prozent zu, Bitcoin sogar 19 Prozent. Die 30-jährige Rendite? Bewegte sich kaum. Eine kleine, aber deutliche Abstimmung mit den Füßen gegen Papiergeld.
Star-Investor Stanley Druckenmiller hat genau an dieser Stelle nachgelegt. In einem Meinungsbeitrag im Wall Street Journal fordert er, das Finanzministerium solle aufhören, mit Anleihe-Rückkäufen die langfristigen Renditen künstlich zu drücken — und sich stattdessen um das eigentliche Problem kümmern: das Primärdefizit.
Die Zahlen dahinter sind eindeutig. Seit 2006 ist die US-Bundesschuld um 32 Billionen Dollar gestiegen, die nominale Wirtschaftsleistung im selben Zeitraum nur um 19 Billionen Dollar. Die Schulden haben sich fast verfünffacht, die Wirtschaft, die sie tragen muss, ist nicht einmal um das 2,5-Fache gewachsen. Kein Wunder, dass die von der Öffentlichkeit gehaltene Bundesschuld im selben Zeitraum von unter 40 Prozent auf rund 100 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen ist.
Aufatmen kann man dabei nicht: Das Congressional Budget Office rechnet damit, dass diese Quote bei unveränderter Politik weiter Richtung 175 Prozent klettert. Das Office of Management and Budget prognostiziert Defizite von rund 5 Prozent des BIP für die kommenden Jahre — auf eine laufende Rate von aktuell schon fast 6 Prozent. Defizite dieser Größenordnung sind normal. Allerdings nur in einer Rezession. Hier handelt es sich um Prognosen für eine Vollbeschäftigungswirtschaft.
Fiskalische Schieflage, eine Fed, die über eine Zinserhöhung nachdenkt, und Hyperscaler, die mit eigenen Milliarden-Anleihen um Nachfrage konkurrieren — alles zeigt in dieselbe Richtung. Die Zinsen bleiben länger hoch, als viele hoffen. Oder, wie Druckenmiller es formuliert: Die Rendite langlaufender US-Staatsanleihen ist der letzte fiskalische Disziplinierer, den die USA noch haben.
Erstens: Die alte Sicherheit von US-Staatsanleihen bröckelt. Höhere Laufzeitprämien werden zur Regel, nicht zur Ausnahme. Zweitens: Wenn selbst der Anleihemarkt zum letzten Disziplinierer der Fiskalpolitik wird, sollte niemand auf schnelle Zinssenkungen wetten. Drittens: Sachwerte und Unternehmen mit echter Preissetzungsmacht schützen besser vor einer Welt, in der Schulden eher entwertet als abgebaut werden. Genau darauf setzen wie mit unseren verschiedenen Mandaten wie dem Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value oder auch dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen.
Im Endeffekt gilt: Die USA stecken in der Schuldenfalle — das zeigen die Zahlen der vergangenen Wochen so deutlich wie selten zuvor. Was das für die Inflation bedeutet und ob Europa vor demselben Abgrund steht, lesen Sie in der zweiten Ausgabe dieser Reihe.
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