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Ein denkwürdiges erstes Quartal liegt hinter uns. Und selten hat sich ein Jahresauftakt so komprimiert angefühlt wie dieser. Die ersten beiden Monate brachten Herausforderungen – aber es sah noch nach einem normalen Börsenjahr aus. Viele Unternehmen überzeugten so mit starken Geschäftszahlen 2025.
Doch dann kam Anfang März der Iran-Krieg als Ausdruck der schwer kalkulierbaren US-Außenpolitik von Präsident Trump. Keine Frage: Der Iran-Krieg war der große geopolitische Katalysator. Der Ölpreis schoss nach oben, die Marke von 100 Dollar je Barrel wurde zwischenzeitlich überschritten – und mit jedem Anstieg wuchs die Unsicherheit an den Aktienmärkten. Energiepreise sind eben nicht nur ein Thema für Autofahrer, sondern ein direkter Einflussfaktor auf Inflationserwartungen, Konsumklima und Unternehmensmargen.
Die entscheidende Frage lautet nun: Bleibt der Ölpreis hoch – oder war das nur ein geopolitischer Spike? Sollte es zu einer schnellen Entspannung kommen, halten Analysten eine Rückkehr in Richtung 70 Dollar zum Jahresende für möglich. Das wäre ein positives Signal für Aktien – insbesondere für konjunktursensitive Branchen. Bleibt die Straße von Hormus jedoch länger blockiert, droht ein strukturell höheres Preisniveau. Und das wäre Gift für viele Aktienmärkte, vor allem für Europa.
Doch das Quartal hatte weit mehr zu bieten als nur Öl.
Gold und Silber erlebten im Januar eine regelrechte Hausse. Gold stieg zeitweise über 5.000 Dollar je Feinunze, Silber über 120 Dollar. Das war kein normales Marktverhalten – das war Risikoabsicherung in Reinform. Investoren suchten Schutz.
Gleichzeitig verlor Bitcoin rund 22 Prozent im Quartal. Auch hier zeigt sich: Wenn Unsicherheit steigt, werden spekulativere Anlagen zuerst verkauft. Zwar stabilisierte sich Bitcoin zuletzt im Bereich um 70.000 Dollar – aber das Momentum ist gebrochen.
Und dann war da noch der wohl prägendste Aktienmarkttrend des Quartals: die massive Schwäche im Softwaresektor.
Während 2024 und 2025 noch von KI-Euphorie geprägt waren, drehte sich das Narrativ im ersten Quartal 2026 radikal. Aus FOMO – der „Fear of Missing Out“ – wurde FOBO: „Fear of Becoming Obsolete“- also die Angst, nicht mehr gebraucht zu werden.
Die Angst, dass KI-Modelle klassische Softwarelösungen überflüssig machen könnten, führte zu erheblichen Kursverlusten im Sektor. Zahlreiche Softwaretitel verloren zwischen 20 und 40 Prozent im Quartal – teils ohne konkrete operative Enttäuschungen. Es war kein fundamentaler Einbruch. Es war eine Neubewertung unter Unsicherheit.
Gerade Unternehmen mit hohen Bewertungen, wiederkehrenden Abo-Modellen und standardisierten Lösungen standen besonders unter Druck. Die zentrale Frage der Investoren lautet: Wenn KI viele Prozesse automatisiert – braucht man dann noch all diese Software?
Unsere Einschätzung: Hier wurde massiv überzogen.
Ja, KI verändert Geschäftsmodelle. Ja, manche Anwendungen werden ersetzt oder vereinfacht. Aber hochwertige Software mit tief integrierten Workflows, hohen Wechselkosten und klaren Wettbewerbsvorteilen wird nicht einfach verschwinden. Der Markt hat in vielen Fällen nicht differenziert – sondern pauschal abgestraft.
Das ist typisch für Stimmungsumschwünge.
Wichtig ist: Wir sehen bislang keinen klassischen Bärenmarkt. Wir sehen eine deutliche Sektorrotation. Auf Grund unserer Strategie sind wir bei einigen Branchen gar nicht vertreten. Beispiel Öl: Diese Branche passt nicht zu unserem nachhaltigen Ansatz, bei dem wir bestimmte Geschäftsmodelle direkt ausschließen. Ölproduktion gehört dazu ebenso wie Rüstung.
Allgemein betrachtet hielten sich defensive Branchen wie Basiskonsum, Versorger oder Versicherungen vergleichsweise stabil. Banken schwankten stark – abhängig von Zinserwartungen und geopolitischer Risikoprämie. Energieunternehmen profitierten temporär vom Ölpreisanstieg. Und Technologie war zweigeteilt: Halbleiter stabiler, Software schwach.
Das Marktumfeld ist geprägt von Unsicherheit – aber nicht von Kapitulation. Die Inflationserwartungen sind wieder gestiegen. Die Zinssenkungshoffnungen wurden zurückgenommen. Das belastet vor allem hoch bewertete Wachstumswerte. Gleichzeitig bleibt das Konjunkturszenario robust genug, um eine breite Rezessionsangst zu verhindern. Genau diese Mischung sorgt für Volatilität.
Das erste Quartal 2026 hat eines gezeigt: Die Märkte sind nervös. Aber Nervosität ist nicht gleich Krise. Sie ist oft der Nährboden für die nächsten Chancen.
Wer strukturiert investiert bleibt, nicht jedem Narrativ hinterherläuft und Unternehmen statt Schlagzeilen kauft, wird auch durch ein turbulentes Umfeld gut navigieren können.
Und vielleicht werden wir am Jahresende auf dieses Quartal zurückblicken und sagen: Es war weniger der Beginn einer Krise – sondern vielmehr der Beginn einer neuen Bewertungsdisziplin am Aktienmarkt.
Die ersten beiden Monate brachten einen positiven Start ins Jahr, doch der insgesamt schwachen Marktentwicklung konnte sich auch der Frankfurter Long-Term Value Fund nicht entziehen. Am Ende blieb ein Rückgang von knapp vier Prozent, was geringer ausfiel als etliche Indizes in Europa oder auch den USA (Stand: 31.03.2026). Der Multi-Manager-Ansatz, bei dem insgesamt sechs Fondsberater die Positionen des Frankfurter Long-Term Value Fund auswählen, bringt eine breite Streuung über Branchen und Regionen. Mit dem spanischen Pharmawert Rovi ist in diesem Fondsmandat (wie in allen anderen Mandaten auch) eine der stärksten Positionen des ersten Quartals enthalten. Die zunehmende Visibilität hinsichtlich der ambitionierten Unternehmensziele für 2030 und starke fundamentale Kennzahlen haben diese Aktie zuletzt deutlich steigen lassen.
Auch bei unserem Klassiker gab es einen positiven Start ins Jahr, doch dann kam der Iran-Krieg mit den bekannten Folgen. Auf Quartalsbasis hat der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen sechs Prozent nachgegeben (Stand: 31.03.2026). Die positiven Entwicklungen im Finanzsektor – vor allem bei den Versicherern wie SCOR oder der Münchener Rück wurden durch zum Teil überdurchschnittliche Rückgänge in anderen Sektoren überdeckt. Hier gilt: Viele dieser Korrekturen – ob im weiter aussichtsreichen Sektor der Spezialchemie mit Unternehmen wie IMCD oder Azelis oder bei Techwerten wie unserem Basiswert Microsoft halten wir für überzogen. Das starke Narrativ der Softwareverdrängung durch KI-Anwendungen und die Turbulenzen durch den Iran-Krieg dürften im weiteren jahresverlauf an Bedeutung verlieren und dann dürfte die fundamentale Stärke vieler Depotwerte wieder in den Fokus rücken.
Auch beim Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value kam nach dem positiven Jahresstart der schwache März als Folge des Iran-Kriegs. Beim aktuellen März-Rebalancing haben wir dann zwei Titel ausgetauscht. Neu dabei sind wieder einmal der irische Billigflieger Ryanair und der US-Handels- und Techgigant Amazon. Den ETF verlassen haben das Buchungsportal Booking.com und der Spezialchemie-Distributor Azelis. Insgesamt fiel das Quartal beim Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value schwach aus mit einem Rückgang von 8,08 Prozent (Stand: 31.03.2026). Die Schwäche der Techwerte – ob aus Nordamerika mit Adobe und Microsoft oder auch Europa mit SAP sorgten ebenso für den Rückgang wie andere Branchen. Gerade im Bereich der Spezialchemie sind wir hier aktiv geworden und haben den Anteil durch den Verkauf von Azelis auf nur noch zwei Titel reduziert. Grundsätzlich sind jetzt nach dem März-Rebalancing wieder die 25 aussichtsreichsten Titel unserer gesamten Investment-Watchliste im Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value vertreten.
Der Frankfurter Value Focus Fund konnte sich nach dem positiven Jahresstart dem schwachen Markt im März nicht entziehen. In diesem stark fokussierten Mandat mit nur wenigen Aktien wurde im ersten Quartal die Position in der Modern Times Group vollständig veräußert und eine neue Position in der Fielmann Group aufgebaut . Die zuletzt positive Entwicklung beim spanischen Pharmawert Rovi brachte eine Steigerung bei der Gewichtung auf nun mehr als neun Prozent. Gleichzeitig bleiben aber mit secunet Security Networks, SCOR und INTERSHOP gleich drei Positionen über der Gewichtungsmarke von zehn Prozent. (Stand: 31.03.2026).