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Börsenjahr 2026: Die wilde Fahrt geht immer weiter

Geschrieben von Heiko Böhmer | Dienstag, 10.3.2026

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Was für ein Start in das Börsenjahr 2026. Bereits die ersten beiden Monate haben alles geliefert, was Anleger normalerweise in einem ganzen Jahr erleben: geopolitische Spannungen, massive Sektor Rotationen, Edelmetall-Hausse, deutliche Korrekturen bei Kryptowährungen– und vor allem eine spürbare Verschiebung im Narrativ rund um Künstliche Intelligenz.

 

Geopolitik im Fokus – aber nicht der alleinige Treiber

 

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Der militärische Schlag der USA und Israel gegen den Iran dominiert die Schlagzeilen. Doch der geopolitische Faktor ist nur ein Teil der Geschichte. Die eigentliche Dynamik der ersten beiden Monate spielte sich an einer ganz anderen Front ab: beim Thema KI.

 

KI: Vom Hoffnungsträger zur Bedrohung

 

Noch vor wenigen Monaten galt Künstliche Intelligenz als der zentrale Wachstumsmotor der kommenden Jahre. Jetzt hat sich das Narrativ gedreht. Plötzlich lautet die Schlagzeile: „KI wird die Softwarebranche fressen.“

Auslöser sind die rasanten Fortschritte bei den großen Sprach- und Automatisierungsmodellen. Die Qualität steigt spürbar, die Kosten fallen. Das weckt Zweifel an klassischen „Software-as-a-Service“-Geschäftsmodellen. Die Angst: Wenn KI komplexe Workflows eigenständig erledigt, wozu braucht es dann noch spezialisierte Software?

Ob dieses Szenario tatsächlich so eintritt, bleibt völlig offen. Aber an der Börse wirken Narrative oft stärker als Fundamentaldaten.

Der US-Software-Index verzeichnet seit Jahresbeginn einen Rückgang von rund 30 Prozent. Große Namen wie Adobe, Oracle oder SAP mussten zweistellige Kursabschläge hinnehmen. Selbst Microsoft – lange Zeit Inbegriff der KI-Gewinner – geriet deutlich unter Druck.

Und genau hier beginnt die Differenzierung: Während die Kurse gefallen sind, sind die Gewinne vieler Unternehmen weiter gestiegen. Im Fall von Microsoft liegt die Bewertung inzwischen auf einem Mehrjahrestief – bei gleichzeitig enorm gestiegenen Gewinnen. Das zeigt: Der Markt preist derzeit vor allem Unsicherheit ein.

Wenn starke Narrative dominieren, entstehen häufig Übertreibungen. Aktuell eher nach unten – gerade, weil viele Techwerte mit ambitionierten Bewertungen ins Jahr gestartet sind.

 

MidCaps im Schatten der KI-Angst

 

Besonders interessant ist die Entwicklung im MidCap-Segment. Während die großen Tech-Giganten im Fokus der öffentlichen Debatte stehen, geraten viele mittelgroße Unternehmen unter Druck.

Einige MidCaps aus dem Software- und IT-Dienstleistungsbereich wurden pauschal abgestraft – unabhängig davon, wie stark sie tatsächlich von KI betroffen sind. Gleichzeitig existiert jedoch eine zweite Gruppe: MidCaps, die indirekt profitieren könnten, etwa durch Automatisierung, Effizienzgewinne oder hochspezialisierte Nischenlösungen mit hoher Datenqualität.

Wir müssen KI differenziert betrachten: direkte Profiteure, indirekte Profiteure, mögliche Profiteure – und Geschäftsmodelle, die strukturell kaum betroffen sind. Gerade im MidCap-Bereich entstehen durch diese Unterscheidung enorme Bewertungsunterschiede.

Bewertungsunterschiede bilden erfahrungsgemäß die Grundlage für langfristige Outperformance.

 

Extreme Ausschläge auch jenseits der Aktienmärkte

 

Parallel zur KI-Diskussion kam es auch in anderen Assetklassen zu außergewöhnlichen Bewegungen. Edelmetalle legten einen historischen Jahresstart hin: Silber und Gold verzeichnete Zuwächse von jeweils rund 17 Prozent.   Zwischenzeitlich war die Volatilität so extrem, dass von geordnetem Handel kaum noch die Rede sein konnte.

Auf der anderen Seite der Skala: Kryptowährungen. Bitcoin notiert rund 50 Prozent unter seinem Allzeithoch. Auch hier zeigt sich das bekannte  starker Übertreibung und deutlicher Korrektur. Auffällig ist, dass langfristige Investoren die niedrigen Niveaus offenbar wieder zum Einstieg nutzen.

 

Stabilitätsanker Dividenden

 

In einem Umfeld hoher Volatilität lohnt sich auch der Blick auf klassische Stabilitätsanker. Die anstehende Dividendensaison liefert positive Signale. Für den DAX wird inzwischen sogar ein leichter Anstieg der Dividenden erwartet. Große Versicherer wie Allianz oder Münchener Rück bieten weiterhin Renditen um vier Prozent.

Gerade in volatilen Phasen sind solche Cashflows ein unterschätzter Stabilitätsfaktor im Depot.

 

Fazit nach zwei Monaten

 

Das Jahr 2026 hat fulminant begonnen. Die Märkte sind von starken Schwankungen, dominanten und geopolitische Risiken geprägt. Gleichzeitig beobachten wir keine systemische Panik, sondern selektive Verwerfungen.

KI bleibt das zentrale Thema – nicht nur als Chance, sondern auch als Disruptionsfaktor. Die Spreizung innerhalb der Märkte nimmt zu. Das eröffnet attraktive Chancen, insbesondere im MidCap-Segment, wo pauschale Abschläge oft fundamentale Qualität überdecken.

Die Volatilität wird uns auch weiterhin begleiten. Doch wer genau hinschaut, erkennt hinter den Schlagzeilen nicht nur Risiken – sondern auch die ersten attraktiven Einstiegsmöglichkeiten.

 

Frankfurter Long-Term Value Fund – Der Langfristige

 

Die größten Positionen in diesem globalen Value-Aktienfonds haben auf Sicht der ersten beiden Monate 2026 die größten Zuwächse gebracht. An erster Stelle steht hier der spanische Pharmawert Rovi, der auch in weiteren Mandaten enthalten ist. Von den knapp 5 Prozent Zuwachs, die auf die TOP 10 gewichteten Aktien in dem Fonds entfallen, steht Rovi allein für 1,3 Prozent. Mit deutlichem Abstand folgen dann der mexikanische Konsumtitel FEMSA (+0,64 Prozent) und die Jost Werke (+0,60 Prozent). In dem anspruchsvollen Marktumfeld der ersten beiden Monate hat dieser Fonds 1,66 Prozent an Wert hinzugewonnen (Stand: 27.02.2026).

 

Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen – Der Klassiker

 

Auch bei unserem Klassiker, dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen sind einige der größten Positionen auch bei den Top-Performern zu finden. Ebenfalls steht hier der spanische Pharmawert Rovi vorn mit einem Performancebeitrag von einem Prozent an den 3 Prozent Zuwachs der Top 10 Positionen. Auf folgenden Plätzen sind mit Storebrand und SCOR nicht nur zwei Finanztitel, sondern auch die größten Einzelpositionen des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen zu finden. Nach zwei Monaten steht der Fonds mit 1,85 Prozent im Minus, da etliche Unternehmen unter der sich umgreifenden KI-Angst gelitten haben (Stand: 27.02.2026). Überraschend schwach war in den ersten beiden Monaten unsere langjährige Top-Position Microsoft. Selbst dieser ausgesprochene Qualitätswert wurde von der KI-Angst nach unten gedrückt, bleibt für uns aber weiterhin ein Basisinvestment.

 

Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value – Der Systematische

 

Rovi und Storebrand sind auch in unserem ETF enthalten und sorgen hier ebenfalls für positive Wertbeiträge. Durch die starke Gewichtung von Aktien aus dem Umfeld KI fielen jedoch die Verluste stärker aus als in den anderen Mandaten. Den größten negativen Performancebeitrag von einem Prozent brachte beispielsweise der US-Softwarewert Adobe. Weitere Werte aus diesem Segment wie Booking.com oder SAP gehören ebenfalls zu den schwächeren Aktien. Nach zwei Monaten blieb so ein Minus von 2,8 Prozent (Stand: 27.02.2026). Beim anstehenden März-Rebalancing wird es spannend. So werden nicht nur alle Aktien wieder auf das Ausgangsgewicht von vier Prozent gesetzt, sondern auch einige Titel ausgetauscht. Mehr dazu im nächsten Monatsbericht.

 

Frankfurter Value Focus Fund – Der Offensive

 

Der klare Europafokus ist auch beim Frankfurter Value Focus Fund vorhanden. Knapp 90 Prozent der Unternehmen stammen aus Europa. Dabei nehmen allein die TOP 5 Positionen fast 60 Prozent des Fonds ein. Diese Konzentration auf wenige – oft auch kleinere Titel – bringt deutlich größere Schwankungen als bei den anderen Mandaten. Mit dem Cybersecurity-Unternehmen secunet Security Networks stand hier der am höchsten gewichtete Wert deutlich unter Druck. Nach zwei Monaten hat dieser Fonds knapp drei Prozent an Wert verloren (Stand: 27.02.2026).