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Zwei Wahrheiten passen derzeit nicht so recht zusammen. Die eine: Die Zahlen stimmen. Die Unternehmensgewinne liefern. Gleichzeitig entspannt sich die Inflation und zudem lässt der Zinsdruck nach. Die andere: Fast alle sind sich bereits einig, dass es so weitergeht. Und genau das sollte aufhorchen lassen.
2. Was bedeutet das für Anleger?
Fangen wir mit den Fakten an. Rund 90 Prozent der S&P-500-Konzerne haben ihre Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt, die Gewinne sind laut Factset im Jahresvergleich um 47 Prozent gestiegen – das siebte Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum. Unser CIO Frank Fischer nennt das „Femo“, fabulous earnings momentum. Kein Bauchgefühl, sondern eine Serie harter Fakten. Dazu kommt: Die US-Kerninflation kletterte im Juli nur um 2,5 Prozent, die niedrigste Rate seit März 2021. Die Terminmärkte preisen eine Fed-Zinserhöhung im September nur noch mit rund 35 Prozent ein. Weniger Zinsdruck heißt weniger Gegenwind für Aktien.
Jetzt der zweite Teil der Geschichte und da wird es richtig spannen: Einmal im Monat befragt die Bank of America rund 200 Fondsmanager, die zusammen mehr als 500 Milliarden Dollar verwalten. Der Titel der August-Umfrage lautet lapidar: „The Noes Have It“ – die Neinstimmen haben die Mehrheit. Keine Konjunkturlandung, keine Fed-Zinserhöhung, keine gekürzten KI-Investitionen, kein demokratischer Wahlsieg, keine Bären.
56 Prozent der Fondsmanager erwarten für die Weltwirtschaft überhaupt keine Landung – ein neuer Rekord. 43 Prozent rechnen sogar mit einem „Boom“. Die Aktienquote der Profis ist auf netto 56 Prozent übergewichtet gesprungen, der höchste Stand seit November 2021. Und die Cash-Quote? Auf 3,5 Prozent gefallen, der sechstniedrigste Wert seit Beginn der Umfrage 1998.
Klingt nach ungetrübtem Vertrauen. Ist aber vor allem eines: ein Warnsignal. Sowohl die BofA Cash Rule als auch der Bull & Bear Indikator stehen inzwischen auf „Verkaufen“. Historisch war das selten der richtige Moment, um weiter aufzustocken.
Rallys sterben selten an ihrem Alter. Sie sterben, wenn die Fundamentaldaten kippen – und davon ist derzeit nichts zu sehen. Aber sie geraten auch ins Stolpern, wenn niemand mehr übrig ist, der zusätzlich kaufen könnte. Wenn fast alle Fondsmanager schon investiert sind, fast alle in dieselbe Richtung schauen und die Cash-Reserven auf einem der niedrigsten Stände seit 28 Jahren liegen, dann fehlt genau diese Reserve für viele weitere neue Käufe.
Auch die Trades selbst zeigen diese Ambivalenz. Long-Positionen in globalen Halbleiterwerten bleiben der meistgenannte Trade, wenn auch mit 53 Prozent deutlich weniger deutlich als im Vormonat. Gleichzeitig gilt eine „KI-Blase“ weiterhin als größtes Marktrisiko.
Und Europa? Bleibt der interessanteste Widerspruch von allen. Während die US-Übergewichtung der Profis so hoch ist wie seit Dezember 2024 nicht mehr, notieren europäische Aktien laut JP Morgan Asset Management mit einem Bewertungsabschlag von rund 35 Prozent gegenüber den USA – teils bis zu 60 Prozent auf Sektorebene. Das ist kein reiner Branchen-Effekt, das ist eine Anomalie. Und Anomalien sind für geduldige Investoren am Ende meist eine Einladung, keine Warnung. Deshalb haben wir die Portfolios unserer Mandate stärker Richtung Europa ausgerichtet und das auch schon vor geraumer Zeit – mit Titeln wie SAP, Allianz, Münchener Rück, Computacenter oder Storebrand, ohne dabei den USA den Rücken zu kehren.
Erstens: Die Fundamentaldaten tragen die Rally noch. Sieben Quartale zweistelliges Gewinnwachstum sind kein Zufall, und nachlassender Zinsdruck ist mehr wert als jede Schlagzeile über geopolitische Risiken.
Zweitens: Extreme Stimmung ist kein Fundamentalfaktor, aber ein zuverlässiger Kontraindikator. Wenn Cash-Quote und Bull-&-Bear-Indikator gleichzeitig auf „Verkaufen“ stehen, ist das ein Hinweis, selektiver statt euphorischer zu werden – nicht, sofort auszusteigen.
Drittens: Der Bewertungsabschlag Europas gegenüber den USA ist kein Dauerzustand. 35 Prozent Rabatt, teils 60 Prozent auf Sektorebene – solche Lücken schließen sich irgendwann. Wer dort ansetzt, kauft Substanz, während andere dem overcrowded Trade hinterherlaufen.
Der Optimismus an den Börsen wird nicht dadurch widerlegt, dass er falsch wäre. Er wird dadurch gefährlich, dass er sich selbst die Grundlage entzieht. Kein Grund zur Panik. Aber auch keiner, um jetzt sorgloser zu werden.
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Bei den dargestellten Szenarien handelt es sich um eine Schätzung der zukünftigen Wertentwicklung, die auf Erkenntnissen aus der Vergangenheit über die Wertentwicklung dieser Anlage und/oder den aktuellen Marktbedingungen beruht und kein exakter Indikator ist. Wie viel Sie tatsächlich erhalten, hängt davon ab, wie sich der Markt entwickelt und wie lange Sie die Anlage/das Produkt halten.