Frankfurter Investmentblog

Die Einbahnstraße von Hormus

Geschrieben von Heiko Böhmer | Apr 21, 2026 1:10:10 PM

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Manchmal reicht ein Blick auf eine Landkarte, um die Nervosität der Kapitalmärkte zu verstehen. Die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt – ist aktuell mehr als nur ein geopolitischer Brennpunkt. Sie ist ein Symbol geworden. Ein Symbol für eine Entwicklung, die wir in den vergangenen Wochen immer deutlicher sehen: eine Einbahnstraße an den Kapitalmärkten.

 

Inhaltsverzeichnis

1. Angespannte Nachrichtenlage – angespannte Märkte?

2. Qualität der Geschäftsmodelle rückt in den Fokus

 

Was meine ich damit?

Positive Nachrichten führen zu deutlichen Kursanstiegen. Negative Nachrichten dagegen? Die werden zunehmend ignoriert – oder zumindest nur noch mit erstaunlich geringen Abschlägen quittiert. Diese Asymmetrie ist gefährlich. Und sie erinnert an Phasen, in denen Märkte beginnen, Risiken systematisch auszublenden.

 

Angespannte Nachrichtenlage – angespannte Märkte? 

 

Dabei ist die Nachrichtenlage alles andere als entspannt: Der Konflikt rund um den Iran hat die Straße von Hormus in den Fokus gerückt. Rund ein Fünftel des globalen Ölangebots läuft durch diese Meerenge. Jeder Tag, an dem der Schiffsverkehr eingeschränkt ist, hat direkte Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte. Und damit auf Inflation, Wachstum und Unternehmensgewinne.

Der Ölpreis hat entsprechend reagiert. Die Marke von 100 Dollar je Barrel ist keine theoretische Größe mehr – sie ist Realität geworden. Und dennoch: Die Aktienmärkte zeigen sich erstaunlich robust. Rücksetzer werden schnell aufgefangen. Negative Schlagzeilen verlieren an Wirkung.

Das passt nicht zusammen und steigende Energiepreise sind kein Randthema. Sie sind ein zentraler Kostenfaktor für nahezu alle Branchen. Besonders betroffen: Transport, Industrie – und ja, auch die Luftfahrt.

Ein Thema, das dabei oft übersehen wird, ist der zunehmende Kerosinmangel. Wenn Lieferketten unter Druck geraten und Raffinerien nicht flexibel reagieren können, dann wird aus einem Ölpreisanstieg schnell ein echtes Versorgungsproblem. Für Airlines bedeutet das steigende Kosten und potenziell eingeschränkte Kapazitäten. Für die Wirtschaft insgesamt bedeutet es zusätzlichen Druck auf Preise und Margen.

Und trotzdem: Die Märkte steigen bei jeder positiven Meldung.

Ein diplomatisches Signal? Kurse rauf.
Ein Gerücht über Entspannung? Kurse rauf.
Eine kurzfristige Öffnung der Handelsroute? Kurse rauf.

Aber was passiert bei negativen Nachrichten?

Neue Spannungen? Kaum Bewegung.
Verlängerte Blockade? Begrenzte Reaktion.
Steigende Förderausfälle? Werden zur Kenntnis genommen – aber nicht eingepreist.

Das ist die Einbahnstraße von Hormus. Diese verzerrte Wahrnehmung ist kein neues Phänomen. Aber sie tritt häufig in späten Marktphasen auf. Dann, wenn Investoren beginnen, sich stärker auf das positive Szenario zu fokussieren – und Risiken als temporär oder beherrschbar abzutun. Das Problem dabei: Märkte funktionieren langfristig nicht einseitig. Risiken verschwinden nicht, nur weil man sie ignoriert. Im Gegenteil: Sie bauen sich auf.

Gerade der Ölmarkt ist dafür ein gutes Beispiel. Die aktuelle Situation zeigt sehr deutlich, wie fragil das Gleichgewicht ist. Die Freigabe strategischer Reserven kann kurzfristig beruhigen. Aber sie löst das strukturelle Problem nicht. Solange die Straße von Hormus nicht dauerhaft offen ist, bleibt ein erheblicher Teil des Angebots unsicher.

Und genau das müsste eigentlich stärker in den Bewertungen reflektiert werden. Stattdessen sehen wir ein anderes Bild: Liquidität trifft auf Hoffnung. Und Hoffnung gewinnt – zumindest kurzfristig. Für uns als Investoren bedeutet das vor allem eines: Disziplin bewahren.

Nicht jeder Kursanstieg ist nachhaltig. Nicht jede Entspannung ist strukturell.
Und nicht jedes Risiko ist eingepreist. Gerade in einem Umfeld, in dem Narrative so schnell wechseln wie aktuell, ist es entscheidend, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Qualität von Geschäftsmodellen, die Stabilität von Cashflows und die Fähigkeit von Unternehmen, auch in schwierigen Phasen ihre Margen zu verteidigen.
 

 

 

 

Qualität der Geschäftsmodelle rückt in den Fokus  

 

Denn genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Unternehmen mit Preissetzungsmacht können steigende Kosten weitergeben. Unternehmen mit stabilen Lieferketten bleiben handlungsfähig. Und Unternehmen mit klaren Wettbewerbsvorteilen verlieren nicht von heute auf morgen ihre Relevanz.

Die Einbahnstraße von Hormus wird nicht ewig bestehen bleiben.

Irgendwann werden Märkte wieder anfangen, Risiken symmetrisch zu bewerten. Positive und negative Nachrichten werden wieder gleich gewichtet. Und dann zeigt sich, welche Bewertungen wirklich tragfähig sind.

Bis dahin gilt: Nicht von der Richtung blenden lassen, sondern einfach die Basis prüfen. Denn langfristiger Vermögensaufbau entsteht nicht in Einbahnstraßen – sondern durch klare Entscheidungen in unsicheren Zeiten.

 

 

 

 

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