Das sind die zwei neuen Aktien im Frankfurter Modern Value Index

Das dritte Quartal nähert sich dem Ende – da ist es Zeit für das nächste Rebalancing in unserem Frankfurter Modern Value Index. Auf diesen Index bieten wir den Frankfurter UCITS-ETF - Modern Value an (WKN FRA3TF), der in Kürze an den maßgeblichen Handelsplätzen verfügbar ist. Da wir aber einmal im Quartal nicht nur ein Rebalancing durchführen, sondern auch einige Titel austauschen, möchte ich im aktuellen Update diese Unternehmen etwas näher vorstellen.

Doch bevor es um die neuen Indexmitglieder geht, zunächst noch kurz ein paar Erläuterungen zur Funktionsweise des Index. Der Frankfurter Modern Value Index besteht aus 25 Unternehmen, die wir aus der Shareholder Value Management Watchlist generieren. Der maßgebliche Faktor für die Aufnahme in den Index ist der Total Shareholder Return (TSR).

Diese Kennzahl gibt das Wachstumspotenzial der Unternehmen auf Sicht der nächsten fünf Jahre wieder. Wir ermitteln sie für alle rund 150 Unternehmen auf unserer Watchlist. Die 25 Unternehmen mit der höchsten erwarteten Jahresrendite, gemessen am TSR, kommen dann gleichgewichtet mit jeweils vier Prozent in den Frankfurter Modern Value Index. Nun sind beim neuen Rebalancing eben nicht nur die Positionen wieder auf das Ausgangsniveau von vier Prozent gesetzt worden, sondern wir haben zusätzlich noch zwei Titel ausgetauscht. Dieses Mal hat es mit dem Luxuskonzern LVMH und dem Kosmetikwert L’Oreal regional konzentriert französische Aktien getroffen. Bei beiden Unternehmen ist der TSR klar abgesunken und bot so auf Sicht der nächsten Zeit keine attraktiven Renditechancen mehr (Hier geht's zum ausführlichen Blogbeitrag zum Aufbau des ETFs).

 

Aktie Nummer 1: ASML ist die erste Wahl für Halbleiter- Produzenten

 

Dafür sind nun zwei neue Titel im Index enthalten, die wir hier etwas genauer vorstellen möchten. Zum einen ist es ASML Holding aus den Niederlanden. Das Unternehmen ist in der Herstellung von Hightech-Systemen für die Halbleiterindustrie international tätig. Angeboten werden Lithographie-Systeme, die vor allem für die Fertigung von komplexen integrierten Schaltkreisen (ICs oder Chips) eingesetzt werden. Als einer der weltweit führenden Hersteller von Halbleiter-Equipments ist der Konzern im Entwurf, der Entwicklung, der Produktion und der Vermarktung aktiv und bietet ergänzend die dazugehörigen Dienstleistungen an. Der Kundenkreis umfasst die weltweit größten Halbleiterhersteller. Darüber hinaus werden optische Bauteile und Systeme gefertigt für die Anwendung bei der Herstellung asphärischer Produkte wie Linsen und Spiegel sowie bei präzisen Messinstrumenten. Produktionsbetriebe sowie Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen befinden sich in den USA, Taiwan, Korea, China und in den Niederlanden. Weltweit ist der Konzern an über 60 Standorten in 16 Ländern präsent.

In den vergangenen Jahren hat sich ASML einen klaren wirtschaftlichen Burggraben erarbeitet – der sogar noch breiter und tiefer im Verhältnis zur Konkurrenz geworden ist. So hat ASML in den vergangenen 10 Jahren weit mehr als 8 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert, um die eigene Technologie noch weiter zu verbessern. Im Ergebnis hat sich jetzt die EUV-Technologie von ASML als Industriestandard etabliert, die zuletzt verbliebenen Wettbewerber Canon und Nikon aus Japan haben schon vor einigen Jahren ihre eigenen Bemühungen in diesem Sektor eingestellt.

Daraus hat sich nun ein breiter wirtschaftlicher Wettbewerbsvorteil ergeben, der sich auf immaterielle Vermögenswerte und Größenvorteile bezieht. Tatsächlich müssten die Wettbewerber hohe Investitionen im Milliardenbereich tätigen, um aufzuholen. Zudem weist der Halbleiter-Ausrüstermarkt nur eine Größe von rund 10 Milliarden Dollar auf, hier hat ASML einen Marktanteil von annähernd 90 Prozent. Das bietet in der aktuell angespannten Phase mit teuren Vorprodukten eine hohe Preissetzungsmacht, die in den regelmäßigen jährlichen Preiserhöhungen von rund fünf Prozent sichtbar wird. Grundsätzlich aber wächst dieser Markt und damit auch ASML. Genau diese starke Positionierung in einem strukturellen Wachstumsmarkt gefällt uns so gut an diesem niederländischen Unternehmen.

Wie stark ASML aufgestellt ist, zeigten auch die Geschäftszahlen 2021 mit einem Umsatzwachstum von 33 Prozent und einer operativen Marge von 35 Prozent. Wie viele andere Unternehmen hat auch ASML in diesem Jahr unter der Kosteninflation und den Lieferschwierigkeiten für Bauteile gelitten. Doch unsere Analysten sehen die Einflüsse in dieser Branche klar als zeitlich begrenzt an. Danach sollten die hohe operative Marge und die ausgeprägte Preissetzungsmacht wieder für stabile Gewinne sorgen.

 

Aktie Nummer 2: Die Welt verreist mit Booking Holdings

 

Der zweite Wert ist Booking Holdings – einer der wichtigsten Werte im globalen Online-Reisebusiness. Booking Holdings (ehemals The Priceline Group) ist ein US-amerikanischer Reiseanbieter, der sich auf Hotel- und Flugbuchungen im Internet spezialisiert hat. Über die Plattformen der Marken Booking.com, KAYAK, priceline, agoda.com, Rentalcars.com und OpenTable können Hotel- und Restaurantreservierungen, Flugtickets oder Mietwagen gebucht werden. Zudem werden Pauschalreisen, Kreuzfahrten und Destinationsservices angeboten. In Zusammenarbeit mit den Partnerfirmen bietet der Konzern ein umfassendes Angebot, das die Planung und Buchung einer Reise erleichtern soll. Über die verschiedenen Webseiten und eine Werbekampagne mit prominenten Werbeträgern erreicht das Unternehmen Kunden auf der ganzen Welt.

Innerhalb der USA bietet Booking Holdings außerdem das sogenannte „Name-Your-Own-Price“-Prinzip. Bei diesem auktionsähnlichen System definiert der Kunde z.B. ein Urlaubsziel und den Preis, den er bereit ist, für eine Hotelübernachtung zu zahlen. In einer Rückwärtsauktion bieten dann Hotels darum, den Zuschlag zu bekommen. Zudem werden sogenannte „Pricebreaker Deals“ offeriert, die im Sinne von Last-Minute-Angeboten günstige Flüge, Hotels, Pauschalreisen oder Kreuzfahrten präsentieren.

Das Kerngeschäft ist ohne Frage die Webseite Booking.com. Hier generiert das Unternehmen rund 75 Prozent seines Umsatzes und annähernd 90 Prozent des Konzerngewinns. Diese Webseite bietet schlicht und einfach klare Netzwerkeffekte durch die Größe und die daraus resultierende Wettbewerbsstärke. Nutzen immer mehr Hotels das Angebot, nutzen es auch immer mehr Kunden und dann nutzen es wiederum mehr Hotels und dann noch mehr Kunden usw.

Selbst das Corona-Krisenjahr 2020 schloss der Online-Reiseanbieter noch mit einem kleinen Gewinn ab. Schon 2022 soll der Umsatz auf ein Rekordniveau von annähernd 17 Milliarden Dollar steigen, wobei der Gewinn noch etwas hinter dem Vor-Corona-Niveau zurückbleibt. Der Blick auf die Ertragskraft zeigt die Stärke von Booking Holdings. So stieg nach der Corona-Krise die Kapitalrendite auf zuletzt 5,1 Prozent wieder deutlich an. Zudem fällt der Cashflow höher aus als der Gewinn – ein weiterer positiver Faktor.

Mit der starken Marktstellung bei Onlinebuchungen ist Booking Holdings somit gut aufgestellt, um vom weiteren Wachstum der Tourismusbranche mittel- bis langfristig zu profitieren. Vor Corona ist der Tourismussektor acht Jahre in Folge stärker gewachsen als die Weltwirtschaft.

Nun blicken wir alle auf das vierte Quartal – in dem es dann wieder kurz vor dem Jahreswechsel ein weiteres Rebalancing geben wird. Es bleibt dabei wirklich spannend, wie die Aktienmärkte die vielen Krisenherde weiterverarbeiten und ob es unseren wunderbaren Unternehmen im Modern Value Index gelingen wird, diese massiven Belastungen gut wegzustecken.